Das älteste Gebäude  Bad Honnefs, Profanbau aus dem Mittelalter, Haus im Turm feiert 10jährige Wiederauferstehung. Nachdem der Weinunternehmer Bernd G. Siebdrat mit seiner Familie 2006 das bis dahin seit über 50 Jahren dem Erzbistum Köln angegliederte Objekt übernommen hat, ist viel passiert.

Die ehemalige Landesvolkhochschule des Erzbistums wurde wieder zu ihren Ursprüngen zurückgeführt. Schon im Mittelalter war das Landgut, welches später stark durch den Klassifizismus geprägt wurde, ein Weingut, eine Landwirtschaft und eine Brauerei. Im 17. und 18. Jahrhundert siedelten sich einige Kölner Famiien in Bad Honnef an, die gleichzeitig eine wesentliche Rolle in den Steinbrüchen des Siebengebirges spielten. Auch zu diesem Zeitpunkt und bereits registriert 1631 war Haus im Turm eines der prägenden Weingüter am nördlichen Mittelrhein.

Der Weinunternehmer Bernd G. Siebdrat, vormals tätig als Vorstand der Hawesko AG, hatte die Idee, dieses einzigartig gelegene Objekt mit einem historisch denkmalgeschützten Park wieder seinen Ursprüngen zuzuführen. Durch seine jahrzehntelange Erfahrung im Weinbau begann er 2009 ehemalige Toplagen des nördlichen Mittelrheins, vorwiegend in Unkel, zu erwerben mit der Vision, dort Spitzenweine zu produzieren in kleinen Mengen, wie es die Ahr in den letzten Jahrzehnten bereits vorgelebt hat.

Die heutigen 3,5 Hektar wurden zu 50 % mit französischen Rotweinklonen neu bepflanzt, und heute kann man die ersten Ergebnisse im Gutsausschank im Haus im Turm verkosten. Die Weißweincuvée mit Grundweinen aus Rhöndorf und Unkel namens Simply, der Weißburgunder Gottfried und der Rosé Marie Charlotte runden das Sortiment ab. In diesem Winter werden die ersten Rotweine vorgestellt.

In Rhöndorf im Haus im Turm entstand die Rhöndorfer Gasthaus Gastronomie, die heute unter der Leitung von Harry Müller und einem jungen, erfolgreichen Team in Eigenregie geführt wird. Auch hier hat man sich seit Anfang des Jahres selber engagiert, und bereits die Söhne von Familie Siebdrat sind dort als Gesellschafter involviert. Das Rhöndorfer Gasthaus bietet von Roastbeef mit Bratkartoffeln über Rehgulasch aus dem Remagener Wald Forst Calmuth bis hin zu einem wöchentlichen Fischangebot regionale Gerichte mit hohem qualitativen Anspruch. In den Sommermonaten ist Haus im Turm sehr stark samstags durch Veranstaltungen frequentiert, da die Lage nahezu einmalig ist. Ab Herbst beginnt wieder der Sonntagsbrunch. Nachdem es bisher ein Gasthaus für abends war, ist auch mittlerweile der Freitagmittag geöffnet.

 

Zum 10jährigen Jubiläum hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: Bernd Siebdrat wird mittwochs und donnerstags die Gäste persönlich empfangen und auf ein Glas der hauseigenen Weine einladen. Vom 22. Oktober bis 19. November zwei Mal wöchentlich freut er sich, seine Gäste persönlich zu begrüßen. Dort können Sie dann mehr erfahren, denn gern berichtet er vom Klimawandel und dass diese Region der große Profiteur des sogenannten Cool Climate Trends geworden ist, will heißen, um hochwertige Weißburgunder und Spätburgunder zu produzieren braucht man warme und heiße Tage und möglichst im Herbst kühle Nächte.

Diese Voraussetzungen sind hier idealst gegeben, und somit kommt der Region wieder eine neue Rolle zu. Bereits vor hundert Jahren waren zwischen Linz und Siegburg 400 Hektar Weinberge – so viel wie heute an der gesamten Ahr. Davon ist wenig übriggeblieben, aber die heutigen Winzer haben alle Chancen. Haus im Turm baut seine Weine gemeinsam mit dem erfolgreichen Winzer Oliver Krupp in einer gemeinsam genutzten Anlage aus. Er bezeichnet die bisherige Zusammenarbeit als perfekte Symbiose und freut sich auf die spannende Zukunft. eb