Jahresrückblick Teil 1

Auch im Jahr Drei seiner Regentschaft war es im Wesentlichen Otto I. selbst, der sagte, wo es lang geht. Noch immer stellt er die Diagnosen und schreibt die Rezepte. Die Parteien machen konstruktiv mit oder folgen bedingungslos – denn alles wird gut. Medien und Zeitungen vermissen inzwischen eigene Pressemitteilungen der politischen Gruppen; so sehr marschiert Neuhoff mit seiner gründlich gehäuteten Rathaustruppe. Dem Vernehmen nach glauben fast Alle, er sei zuallererst „ihr“ Bürgermeister. So schnell geht Vergessen, und vielleicht hat Karl Marx doch recht: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Außerhalb der kommunalen Sphären passiert auch noch Einiges. Die Gesellschaft driftet auseinander, das Gift der Populisten zerrt am rechten Rand der Meinungsbildner. In einem Land, das der Hälfte der Menschheit attraktiv erscheint und Vorbild ist, geben die Unzufriedenen gerade den Ton an. Morbide und tumb. Es soll anders werden, teutsch und abgeschottet. Was in Bad Honnef kaum ankommt, denn der hier praktizierte Umgang mit Flüchtlingen wirkt klimabildend. Ein Grund, stolz und zufrieden zu sein. Wenn da nicht jener Gott wäre, der sich gerade eine exquisite Bigband zusammenstellt; er holt die Besten, und als Türsteher Muhammad Ali, Horst Schimanski und Bud Spencer gleich mit dazu, samt Oleg Popov für die Pausen.

Der oberste Impresario beginnt im Januar mit David Bowie als Bandleader. Der war selbst nie in Bad Honnef und lag dort dennoch auf vielen Plattentellern. So wie Glenn Frey von den Eagles und Black mit seiner „Wonderful World“, die uns noch im gleichen Monat verlassen. „Damals“ war die Wäscherei Mesenholl noch aktiv; heute ziert sie als groteske Industrieruine den Ortseingang im Schmelztal. Die Kasselaner Helferich-Stiftung als Eignerin hörte gut hin, als die Initiatoren das Potenzial erklärten. Sie erkannte, dass es so funktionieren kann – und plant jetzt selbst in Eigen-Regie. Gutes Recht der Helfericher, Pech für die Kreativen.

Einmal auf den Geschmack der abenteuerlichen Exkursionen jenseits erlaubter Wege gekommen, macht die HWZ nur wenige Tage später gleich weiter. Diesmal durchstreift sie den (durchaus märchenhaften) Stadtwald. Es sind viel mehr als sieben Berge, Kathedralen aus hochstämmigen Buchen, genau sieben heimische Orchideenarten und Bäche, die tatsächlich murmeln. 12,3 Quadratkilometer Stadtwald machen mehr als ein Viertel der Honnefer Fläche aus, mit den angrenzenden Waldgebieten in der Hand von VVS und Privaten sind es sogar 63 Prozent. Weil der Stadtwald äußerst kompetent geführt wird – und weil Stadtförster Karl-Josef Klöckner das bereits seit 1992 verantwortet, ist Klöckner unser Mann des Monats.

Gleich zu Beginn des Monats erscheint Otto Neuhoff am 3. Februar bescheiden im Kostüm eines Barockfürsten beim Prinzenempfang im Kreishaus. Samt Gattin Gerlinde als (mindestens) Hofdame. Ein Statement auf der Bühne des alljährlichen gesellschaftlichen Highlights der Region. War Bad Honnef lange Lachnummer als piefige Schlafstadt an der Peripherie eines sonst lebendigen Kreises, so ist es unter seinem neuen Bürgermeister Vorreiter. Wobei die Bewerbung zur Landesgartenschau nur eine der beachteten Aktivitäten war und ist.

Mit dem inzwischen eröffneten Ofenbauer „Beefer“ kündigt sich ein erster Erfolg von Wirtschaftsansiedlung an. In der City ärgern die Baugruben zur Kanalsanierung, deren Notwendigkeit eine verantwortungsbewusste Verwaltung nicht mehr verdrängt. Obwohl Viele das Verdienst schnell vergessen werden, wenn nach Verfüllung alles wieder wie vorher scheint. Zum Monatsende beginnt der Glasfaserausbau für das heute bereits gewohnte schnelle Internet. Vorher schreibt Neuhoff noch schnell einen geharnischten Brief an die Landtagspräsidentin Carina Gödecke: Die Bevorzugung von Großstädten gegenüber dem Ländlichen Raum bei der Finanzierung von Flüchtlingshilfe sei gesetzeswidrig. Just zu dem Zeitpunkt, da Helge Kirscht gemeinsam mit dem Stadtjugendring die heute erfolgreiche „Refugees Band“ gründet.

Also lässt sich die HWZ nicht lumpen und macht ihrem Ruf als Hofberichterstatter alle Ehre: Wir erklären den BM zum überzeugenden Mann des Monats. Auch wenn Maurice White von Earth, Wind and Fire die himmlische Combo der verblichenen Titanen verstärkt. Dabei ist der Titel jedoch zu teilen. In einer besonders frühen (und kurzen) Session überrollt der Karneval die Stadt der Clowns. Stellvertretend sei hier Jörg Pütz nominiert, der als Tausendsassa den Jecken in all seinen Aggregatzuständen vom lecker Jung der Dreamboys bis zum Präsidenten und 1. Vorsitzenden gibt. Er hält den Pol. Eine Institution. Ehre, wem Ehre gebührt. Zumal die Stadt auch jenseits der tollen Tage schon mal vom Brüderpaar aus dem Süden bedacht wird.

Der März verläuft seltsam ereignislos. Fastenzeit eben. Erschlaffung nach einem sehr kompakten Karneval vor einem sehr frühen Ostern. In solch ereignisloser Zeit wird die feierliche Brunnenreinigung am Ziepchesplatz zum Höhepunkt. Der arme dicke Karpfen muss zurück in seinen engen Steintrog. Selbst Hennes VIII. darf neuerdings zwischen den Heimspielen zurück nachhause ins „Kleine Geißbockheim“ des Kölner Zoos zwecks artgerechter Herdenhaltung. Allemal hat es das gemästete Rhöndorfer Schuppentier demnach verdient, zur Persönlichkeit des Monats erklärt zu werden. Zumal die schlechten Nachrichten weitergehen, Denn Keith Emerson und der Rapper Phife Dawg sterben wie überraschend Eugen Cicero auch. Und die Krokusse blühen.

Frisch erholt geht es im April rund. Die Stadt lädt die Einzelhändler ein zur Beratung: Internet & Shoppen in Bad Honnef. Da war bisher Skepsis angesagt. Je kleiner der eigene kommerzielle Kosmos, umso größer im Regelfall die Skepsis. Zugegebenermaßen gehörte auch „Centrum e.V.“ zu dieser Fraktion – bis zu jenem 27.04., da selbst Jörg Pütz vom Olymp des Südens niederstieg ins Rathaus. Denn Pütz weiß um die Notwendigkeit des Aufbruchs in die Neuzeit; selten war ein Schweigen so beredt wie das Seine bei diesem noch schwierigen Auftakt. Vielleicht ist er ungeduldig ob des Schaulaufens der Eitelkeiten. Wer macht es? Oder: Wer darf es machen? Wer organisiert das Ganze, wessen Plattform kommt zum Zug? Wer wird wie einbezogen? Und vor allem: Wer macht das Konzept? „Fühl Dich Frühlich“ läuft parallel, bietet Anschauungsunterricht zu den Möglichkeiten (und auch Grenzen) des bisher real existierenden Marketingansatzes der Stadtfeste.

Fabiano Pinto nimmt sein Amt als Chef der kommunalen Planung auf und vervollständigt damit diesen komplett umgebauten sowie nun sehr leistungsfähigen Fachbereich. Der BHAG-Vorstand Peter Storck besucht Landrat Sebastian Schuster und lotet mit diesem und dessen Spitzenbeamten aus, ob und ggf. wie sich sein Unternehmen einbringen kann in die angepeilte Energiewende an Rhein und Sieg. Es ist interessant, dass – auch ambitionierte – Politik und ein erfolgreiches Unternehmen, das sich am Markt zu behaupten hat, zunächst lernen müssen, sich zu verstehen. Die avisierte Nachhaltigkeit ist eben nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial. Einfacher zu begreifen ist da die Einweihung des Gedenksteins zum Naturfreundehaus am Himmerich; das Wirken der Nazis auch in Aegidienberg soll unvergessen bleiben.

Der Tod von Prince ist zu beklagen. Nun ist das geniale Trio der größten Popmusiker aller Zeiten komplett verblichen, denn Mozart und Zappa erwarteten ihn im Jenseits. Ende des Monats werden diverse Maibäume gesetzt. In Rhöndorf als Aktion jener Aktivisten, die auch sonst stets dabei sind, in Selhof unter reger Anteilnahme des Ortsteils, bei den Privaten mit viel Liebe und Anbetung. Dennoch vergeben wir den Titel der Personen des Monats an Angela und Rudi Gilbert, die die Freizeitbadgastronomie samt nagelneuen Minigolfplatz auf die Erfolgsschiene brachten.                                                                                    bhbö

Fortsetzung folgt