Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Küste ruft, ich höre es ganz genau. Über Pfingsten geht es ab an die Nordsee. Meer sehen! Furchtbar: Seit August vergangenen Jahres habe ich kein Meer mehr gesehen  Es ist an der Zeit. Diese Weite. Diese endlose Wasserfläche. Die wechselnden Horizonte. Das Meer. Diese verdammte Diva! Ihre Stimmung kann binnen weniger Minuten komplett kippen, ohne dass sie je an Faszination verliert. Balsam für die geschundene Seele.

Früher habe ich mich immer über meine Oma amüsiert, wenn sie zu jeder Mahlzeit, also Morgens, Mittags und Abends, ihr Pillendöschen aus der Handtasche kramte. Heute laufe ich mit vier verschieden Pillen, Tendenz steigend, durch den Tag. Gibt es eigentlich noch Pillendöschen? Ich muss mal den Apotheker meines Vertrauens fragen. Ansonsten, alles ruhig hier. Sehr ruhig. Als Zeitungsmacher muss man in Sommerlochzeiten ein wenig erfinderisch sein. So lassen wir wieder unseren Fragebogen rumgehen (Seite 8). Einige Leser können sich vielleicht noch daran erinnern.

Ein Relikt aus dem Jahre 2009. Genau, jetzt kommt dazu der passende Satz: Mensch, wie die Zeit doch vergeht. Damals musste ich noch keine Pillen nehmen. Auch eine schöne Tradition aus vergangenen Zeiten lassen wir wieder aufleben, den guten alten Restaurant-Test. Wahrscheinlich werde ich nach Pfingsten auch wieder aus Holland berichten. Und dann ein paar Wochen später von unserer Lieblingsinsel.

Schönes vergeht eben niemals. Auf jeden Fall werde ich die Verwaltung in Ruhe arbeiten lassen. Gemaule nutzt ja nix. Einige Dinge erledigen sich einfach von selbst. So wird der Flossweg nicht wirklich zur Kö ausgebaut und die Kardinal-Frings-Straße wird keine Rennstrecke. Und wenn endlich die Poller aus dem Dellenweg und dem Flossweg verschwinden, dann wird auch die Linzer Straße wieder entlastet sein. Was ist eigentlich mit dem Poller im Meisenweg? Gehört der dahin?

Kann man ruhig mal drüber nachdenken. Moment, ich muss eben noch eine Pille einwerfen: Sulpirid. Die macht gute Laune. Der Herr Bürgermeister war eine Woche lang an der Nordsee, ich denke, der ist jetzt total gut gelaunt. Auch ohne Pillen. Lange Rede kurzer Sinn, mir fehlen hier noch 547 Buchstaben, bevor ich das Meer sehe. Und jetzt? Ich verrate es Ihnen: Ich sitze schreibender Weise im Biergarten meines Vertrauens. Die Sonne geht langsam unter. Die Fähre kommt und geht. Eine Fee bringt mir ein Kölsch vorbei. Das Leben kann manchmal doch ganz schön sein. Pille hin oder her.

Ein Mittrinker, ein Dipl. Architekt, sagt: „Es ist eine Schande, dass auf unserem Marktplatz nie was los ist“. Ich sage: „Am Freitag war doch was los, beim Schlemmermarkt“. Der Dipl. Architekt sagt: „Genau. Und so müsste es an jedem Wochenende sein. Wie in allen anderen Städten am Rhein auch. Es muss mehr Leben in die Bude“. Ich flüstere zurück: „Die Wirte am Markt sind sich überwiegend uneinig, wenn es um Marktplatzbespassung geht. Und einer von denen bremst immer alles aus“. Trotzdem: Frohe Pfingsten allerseits…