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Kultur, meine sehr geehrten Damen und Herren, Kultur ist entbehrlich; aber nicht in unserem Reichstagskasperletheater. Die Aktualität der Anlässe lässt mich wieder mal die Niederungen der rheinischen Kommunalpolitik verlassen und einen Blick an die Spree riskieren.

Der Bogen von der lokalen Kulturkolumne in die Berliner Politszene ist zwar weit, das Thema allerdings bewegt in dieser Woche natürlich auch die Nachbarschaft. Was niemand zu glauben wagte: der braune Kasper ist wieder da. Ist das der Niedergang der deutschen Politkultur, wenn grandpa‘s favourites mit einem Achtel der abgegebenen Wählerstimmen ins Parlament einziehen?

Oder ist Deutschland einfach nur in der europäischen Realität angelangt, wie es die Presse in den Nachbarländern verlauten ließ? Auf jeden Fall haben wir Wahlhelfer uns am Sonntag wahrlich nicht darum gestritten, wer die Stimmzettel für die sogenannte Alternative auszählen durfte. Wenn der Spitzenkandidat schon Gauleiter -sorry- Gauland heißt und mit der Alice weidelt, na dann Petry Heil.

Man kann nur hoffen, dass die vergreiste Großmutter und der bajuwarische Wachtmeister gemeinsam mit dem gelben Seppel und dem grünen Krokodil die Kasperfraktion ins Leere klappern lassen; Räuberhauptmann Martin hat sich bereits in die Kulissen verabschiedet, aber ganz links am Bühnenrand lauert ja immer noch die rote Hexe. Bis nächste Woche also, kaspern Sie wohl.