wird zu einer Geschichte.“ Den Satz leihe ich mir von meiner derzeitig favorisierten Autorin. Und da ich meine Kindheit und Jugend liebe, könnte ich zahlreiche Geschichten darüber erzählen. Der zärtliche Schneefall heute Morgen versetzte mich wieder in einen Moment dieser Zeit: Weihnachtsferien vor ungefähr 33 Jahren. Es hatte mächtig geschneit. So viel, dass sogar die Ferien wegen ungewohnter Verkehrsverhältnisse verlängert wurden. Jeden Abend saß ich mit einem Kumpel vor dem Radio, um zu hören, wie es am nächsten Tag sein sollte. Wieder schulfrei! Hurra!

Dann können wir morgen Schlitten fahren – jubelten wir. Allerdings würden wir nicht bei Tageslicht zu einem nahegelegenen Hügel stapfen, sondern in der Dämmerung des frühen Abends zur Rodelpiste fahren, die einige Kilometer entfernt war. Wir trafen uns im gelben Licht der winterlichen Straßenlaternen. Unsere Schlitten banden wir mit ihren Seilen an die Gepäckträger der Fahrräder. Dann radelten wir los. Durch Schneematsch und herabfallender Dunkelheit. Der Dynamo kapitulierte, und der Schlitten im Schlepptau schlingerte bedrohlich von rechts nach links und umgekehrt. Jedes vorbeikommende Auto war eine Gefahr für uns.

Und jeder Autofahrer musste seinerseits diese Radfahrer mit den schlabberigen Schlittenanhängern als Gefahr empfunden haben. Als wir endlich unser Ziel erreichten, konnten wir im Schwarz des Abends die Rodelpiste nicht finden. Mit jugendlicher Entschlossenheit bestimmten wir unsere eigene Rodelstrecke. Das hätte schief gehen können. Doch es wurde zu einem besonderen Erlebnis. Wir rutschen auf den Schlitten in die Finsternis, umschifften blind ein paar Bäumchen, landeten letztendlich heil in einem Irgendwo. Hui! Noch ein paar weitere Abfahrten. Danach schlingerten wir auf den Fahrrädern, die Schlitten wieder im Schlepptau, über schneematschige Straßen zurück ins warme, kerzenerleuchtete Heim. Franziska Lachnit (2018)