Alter

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Meine sehr verehrten Damen und Herren, aus gegebenen Anlass habe ich mich in den vergangenen Sekunden mit dem Alter befasst. Es kommt, das ist ganz gewiss. Aber wann? Oder ist es schon da? Auch bei mir? Auf jeden Fall tröstet es mich gewaltig, wenn ich lese, dass das Siebengebirge immerhin schon 40 Millionen Jahre alt ist. Und es sieht immer noch ganz gut aus. Es war schwer was los hier.

Das Nordseeufer reichte bis zum Dellenweg. Vor 37 Millionen Jahren. Unfassbar. Dagegen ist der Rhein noch blutjung. Vor 700.000 Jahren fing er an, sich hier durch das vulkanische Gelände zu schlängeln. Die zahlreichen Kurven im Rheinverlauf zeigen, dass das nicht immer so einfach war. Ein paar hunderttausend Jahre später schauten dann die Römer vorbei und bauten das aufgetürmte Vulkangestein wieder ab.

Man stelle sich vor, die Römer wären in Bayern geblieben, dann würden wir jetzt in den Alpen wohnen. Irgendwann, als die Leute noch lustig waren, nannte man das Siebengebirge „rheinische Alpen“. Immerhin haben wir ja noch den rheinischen Sauerbraten. Was muss ich hier lesen (ja, ich habe ein Buch) : „Selbst die Düsseldorfer Provinzialregierung erwarb 1886 einen Steinbruch im Siebengebirge“. Alle wollten nur unser Vulkangestein.

Als dann fast nichts mehr da war, gründete der VVS 1899 einen Verein zur Rettung des Siebengebirges. Immerhin: Wenn wir in Köln sind, dann können wir dem Dom fröhlich zuwinken und ausrufen: „Du bist uns“. 300 Jahre lang hat man seinerzeit den staatsen Drachenfels geplündert, um den Dom bauen zu können. Was wäre Köln ohne uns? Mir sin Kölle.

Der einzigartige, unvergessene Willi Ostermann saß beispielsweise regelmäßig im Löwenburger Hof und erfand dort die kölschesten aller Lieder, oder die: Da, wo die sieben Berge am Rheinesstrande steh’n, kannst du die blonden Mädel mit blauen Augen seh’n. Und an die schönen Stunden denkst du dann tausendmal, wo fröhlich sie marschierten durchs Nachtigallental, wo fröhlich sie marschierten durchs Nachtigallental“. Auf jeden Fall fahren die Spielmänner mit Hal Pölern enmol em Johr noh Kölle zu ihrem Dom, um dort die müden Jecken aufzumischen. Das ist auch am vergangenen Sonntag wieder perfekt gelungen. Trotz eisiger Kälte.

Ein Tourist aus Japan, also ein waschechter Japaner, meinte lachend: „Das ist typisch Kölle“. Wir haben das mal so stehen lassen. Die Spielmänner spielen, Jörg Putz entertaint. Egal wo, überall tosender Applaus. Im Gürzenich, in der Malzmühle, im Hänneschen-Theater, am Heumarkt, in der Altstadt. In unserem Revier eben. Wir kümmern uns um die Alten. Der Spielmannszug wird 105 Jahre alt, der Löwenburger Hof feiert seinen 117ten Geburtstag.

Sein Besitzer Hansi Hatterscheid ist allerdings noch nicht ganz so alt. Trotzdem wollen wir mit ihm die spannende Geschichte dieses Bad Honnefer Gasthofes aufschreiben. Der Verkauf seinerzeit hat Rat und Verwaltung schier zur Verzweiflung gebracht. 1986 hatte die Stadt dasTraditionslokal für 450.000 DM vom Land erworben.

2001 sprach sich die Politik für den Verkauf aus. „Eine Stadt braucht keine Kneipe“, hieß es. Zahlreiche Bürger und Teile der Verwaltung waren gegen den Verkauf. Die Stadt müsse das Ausflugslokal beschützen. Nun beschützt es Hansi Hatterscheid (Foto, sitzend). Ich werde mir Wanderschuhe besorgen und das Haus mal inspizieren. Moment. Herr Hatterscheid sagt, „da kommt man auch mit dem Auto hoch“. Na also…