Haushalt

Bürgermeister Otto Neuhoff brachte den Doppelhaushalt für die Jahre 2019 und 2020 in den Bad Honnefer Rat ein. Ein zwar formaler Akt, aber von hoher Wichtigkeit und Bedeutung. Er informierte über die grundlegende Ausrichtung, begründete, legte die Perspektiven für die Stadt dar. Diskutiert wird dann später, nachdem die Fraktionen das Präsentierte beraten haben.

Bad Honnef hat es geschafft, sich aus der sogenannten Haushaltssicherung zu befreien. Das heißt, dass die Stadt wieder selbst Beschlüsse fassen darf zu Investitionen in Bereiche, die nicht absolut verpflichtend und genehmigt sind. Das ist gut so, dafür haben die Bürgerinnen und Bürger höhere Gebühren und Steuern auf sich genommen.

Bad Honnef will erhalten, was es an Werten und Qualität besitzt. Nicht mehr nur Tafelsilber verkaufen und über die Verhältnisse leben. Auch diese Orientierung ist gut und richtig.

Risiken existieren. Renovierungen wie an Rathaus oder Kursaal, Sanierungen von Straßen und Infrastruktur allerorten, Notwendigkeiten für Schulen und andere Einrichtungen. Vielleicht steigen auch die Zinsen wieder, was die Rahmenbedingungen verschärfen würde. Gut, dass dies im Detail verdeutlicht und gelistet ist.

Kritik, ob der Haushalt präzise genug informiert, leicht genug zu lesen und nachzuvollziehen ist, folgt später. Allerdings bleibt es vorerst beim Doppelhaushalt; so wird Geld gespart und nur alle zwei Jahre das ganz große Besteck herausgeholt. Vorteile, die so verlorene Flexibilitäten als Nachteile überwiegen sollen.

Neues aus dem „Eispalast“

Die Saison war gut, und das überrascht nicht. So ist das nun mal in der Gelato-Welt – wenn Alle ächzen und schwitzen in der Glut des Supersommers, dann haben zwei wesentliche Aspekte menschlicher Existenz Hochkonjunktur. Mensch will Speiseeis, und mensch erkennt zunehmend die Realität des Klimawandels.

Alessandro“ in Rhöndorf  hat sich einen Fundus von zirka 30 Eissorten erarbeitet und stellt davon jeweils zwei Dutzend in seiner Kühltheke zur Wahl. Cookie oder Mango-Yoghurt gehören längst zum Standard, heute geht es um Feigen, Zimt, Basilikum. Alessandros Kreativität schwappt über. Als Resultat löffeln bei ihm nicht nur die gleichen Besucher mehr Kugeln; er gewann erkennbar neue Kunden. Es schmeckt, macht Spaß und ist manchmal sogar unterhaltsam. Was sich rumgesprochen hat.

Sehr nett, wenn samstags jetzt schon gut fünfzehn „Rocker“ ihre Twins auf die Bürgersteige stellen. Zur Vermeidung von Kollisionen guckt man genauer hin; neue Zahnarzt-Harleys sind die Norm, inzwischen aber nicht mehr nur ergänzt durch diverse Japaner, sondern in freier Interpretation bis hin zur Moto Guzzi als Basis der Individualisierung. Während die schwarz uniformierten Kerle brav Eis schnabulieren oder Latte trinken, gucken die anderen Besucher zu und tauschen tuschelnd Kommentare zu den aufgebockten Geräten. Wenn die dann wieder bollernd Richtung Parkresidenz verschwinden, ist es manchem Verbliebenem doch „sehr laut, zu laut“. Tatsächlich allerdings war man bestens unterhalten, und ohne den grollenden Abgang hätte schon etwas gefehlt.

Alessandro versucht, den Genuss zu steigern. Mit einem Premium-Pistazien-Eis. Für 30 Cent mehr die Kugel. Wenn er das mit noch zwei weiteren Sorten macht, kann er eine Coppa für Fortgeschrittene kreieren. Rhöndorf wird zum Mekka des gefrorenen Schmelzes. Schade nur, dass der benachbarte Laden mit Post, Tabak und Zeitschriften schließen musste. Spürt der Künstler das? Nicht wirklich, aber er hat schon den Eindruck, dass es jetzt manchmal mehr freie Parkplätze vor der Häuserzeile gibt.

Da in Bad Honnef nichts ohne Gerüchte geht, wurde Alessandro wiederholt gefragt, ob er nächste Saison überhaupt wieder öffne. Wie bitte? Seine Familie ging im September nach Italien. Was immer Traum und Plan war, denn dort ist Zuhause. Jetzt oder nie. Beide Töchter müssen bald zur Schule. Das Eiscafé schließt von Ende Oktober bis Mitte Januar, damit auch der Chef im heimischen Umfeld Energien tanken kann. Batterien laden. Was macht Rhöndorf dann in der Phase der Tristesse? – Vorfreude ist die beste Freude.                                                                                                        Burkhard Hoffmeister/Grüne