Weitere 1,332 Mio. Euro Fördermittel für die Radmobilität in Bad Honnef

Ein frischer finanzieller Rückenwind für die Radfahrenden in Bad Honnef kommt jetzt aus Richtung des Bundeministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Rund 1,332 Mio. Euro fließen im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative aus dem Förderprogramm „Klimaschutz durch Radverkehr“ in den Bau von Fahrradinfrastruktur. „Zusammen mit dem Radverkehrskonzept und der „Radwende“-Förderbewilligung vom Juni dieses Jahres hat Bad Honnef jetzt eine solide Basis, um in einen intensiven Planungsdialog mit der Öffentlichkeit einzusteigen und konkrete Vorhaben mit Investitionen zu realisieren“, so Bürgermeister Otto Neuhoff.

Der Förderantrag setzt sich aus fünf Bausteinen zusammen „Wie bei einer Fahrradschaltung mit ihren verschiedenen Gängen gibt es verschieden große Maßnahmen, die in Summe das Alltagsradfahren bequemer und sicherer machen sollen“ , erläuterte Fabiano PintoLeiter der Geschäftsbereichs Städtebau und verantwortlich für das Antragsverfahren.

·         Der größte Teil der Förderung fließt in die Verbreiterung und Sanierung des Rheinradwegs zwischen der Stadtbahnschranke „Am Steinchen“ und der Grenze zu Königswinter. Dieser Abschnitt ist sowohl Teil des Eurovelo-15-Radweges als auch die Hauptverbindung von Bad Honnef nach Bonn. Hier wird vor allem für die Berufspendler aber auch für die Rheinradtouristen eine echte Verbesserung erzielt. 

·         Mit dem Radverkehr innerhalb des Stadtgebietes beschäftigen sich die anderen Antragspunkte. Hinter dem Titel „Mustergültige Kreuzungen“ verbirgt sich die fahrradfreundliche Umgestaltung der Kreuzungen Hauptstraße/Wilhelmstraße/Am Spitzenbach sowie Menzenberger Straße/Linzer Straße. Die dort gewonnenen Erfahrungen sollen in den zukünftigen Straßenbau einfließen.

·         Für die Wegweisung des neuen Alltagsradwegenetzes sind ebenfalls Mittel bewilligt worden. Die Konzeption des Netzes erfolgte im Radverkehrskonzept, die Planung und konkrete Gestaltung wird über die Fördermaßnahme „Die Radwende“ mit Mitteln des Bundesverkehrsministeriums unterstützt. 

·         Mit dem Ziel einer innovativen und fahrradfreundlichen Steuerung der Fahrtgeschwindigkeit an sensiblen Stellen sollen die heutigen Umlaufsperren und Poller durch langgezogene Bodenwellen und höhere Signalpfosten ersetzt werden. Diese Lösungen sind bei gleicher Wirkung sicherer in der Nutzung.

·         Um die Radwegebeziehung zwischen Bad Honnef-Tal und Aegidienberg geht es bei den „Bergmarken“. Grundlage hierfür ist der geplante Ideenwettbewerb aus dem „Radwende“-Förderantrag. Inhaltlich geht es darum, das Mucherwiesental trotz der teils starken Steigungen als alternative Strecke zur Schmelztalstraße zu etablieren. Dazu soll der Weg durch gestalterische Veränderungen wie z. B. Wegemarken aufgewertet und damit kurzweiliger zu nutzen sein. „Dieser Projektteil ist etwas experimentell und zielt eher auf die Wahrnehmung und das Erleben als auf einen technischen andersartigen Ausbau ab“, so Fabiano Pinto.

Der Antrag entstand in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsförderin Johanna Högner und mit Unterstützung der BERNARD Gruppe ZT GmbH, die – noch als brenner BERNARD ingenieure – das Radverkehrskonzept erarbeitet haben. „Fahrradfahren ist nicht nur ein Mobilitätsthema, es hat auch  Auswirkungen auf den öffentlichen Raum und kann beispielsweise für die Attraktivität der Innenstadt ein wichtiger Standortfaktor sein“, beschreibt Johanna Högner den interdisziplinären Ansatz und verweist beispielhaft auf den radgestützten Lieferdienst des Kiezkaufhauses oder die geplanten Kommunikationsaktionen der „Radwende“-Fördermaßnahmen.

Gemäß den Förderrichtlinien konnte die Stadt Maßnahmen mit einem Gesamtumfang von 1,777 Mio. Euro zur Förderung einreichen. Bei einer Förderquote von 75 Prozent ergibt das eine Fördersumme von 1,332 Mio. Euro, der kommunale Eigenanteil liegt bei rund 444.000 Euro. Das Antragsverfahren wurde vom Projektträger Jülich betreut und war mehrstufig. Bis Ende Oktober 2019 musste eine erste Antragsskizze eingereicht werden. Ende März 2020 erhielt Bad Honnef nach Prüfung der Konzeptidee die Freigabe zur Antragsstellung. Nach einem intensiven Arbeitsprozess konnte der Antrag bis Mitte Juni entwickelt und fristgerecht eingereicht werden. Die Umsetzung der Maßnahmen ist bis Ende 2023 vorgesehen.

Nach den Standards des Förderprogramms „Klimaschutz durch Radverkehr“ haben die geförderten investiven regionalen Modellprojekte „Vorbildcharakter für eine klimafreundliche Mobilität. Sie führen durch die Umsetzung integrierter Maßnahmenbündel zur Stärkung des Radverkehrs, beeinflussen die individuelle Verkehrsmittelwahl zugunsten des Radverkehrs, informieren, klären auf und sensibilisieren zugunsten des Radverkehrs als klimafreundliche Mobilitätsalternative“. Zu den Maßnahmen heißt es weiter: „Gefördert werden investive regionale Maßnahmen mit Modellcharakter zur klimafreundlichen und radverkehrsgerechten Umgestaltung des Straßenraumes, zur Errichtung notwendiger und zusätzlicher Radverkehrsinfrastruktur sowie zur Etablierung lokaler Radverkehrsdienstleistungen.“ Als Kennziffer für die Förderung gilt, dass je eingesparter Tonne CO2 maximal  200 Euro Fördergelder eingesetzt werden dürfen. Mit einer Fördermitteleffizienz von ca. 140 Euro je Tonne CO2-Ersparnis hält das Bad Honnefer Förderpaket diese Vorgabe eindeutig ein.

Bad Honnef, 20.11.2020

Text: Geschäftsbereichsleiter Städtebau Fabiano Pinto

Foto: Präsentation des Förderprogramms „Klimaschutz durch Radverkehr“ – v. l. mit Abstand: Bürgermeister Otto Neuhoff, Geschäftsbereichsleiter Städtebau Fabiano Pinto und Wirtschaftsförderin Johanna Högner.