Von Peter Hurrelmann

Eigentlich wollten wir damals den Menschen im 500-Seelen Dorf Kasambya in den fruchtbaren Wäldern am Äquator Ugandas zu gutem Trinkwasser verhelfen und damit auch ihre schwierige Gesundheitssituation verbessern. Die Idee, ihren vielen Kindern zu einer guten Zukunft zu verhelfen war auch von Anfang an da, aber den Bewohnern fehlte damals eine wesentliche Voraussetzung dafür. Sie hatten kein Geld, um die Schulgebühren ihrer Kinder zahlen zu können.

Denn die Schule, die wir dort bauen wollten, sollte sich von Anfang an finanziell selbst tragen. Mittlerweile arbeiten wir zehn Jahre Hand in Hand mit den Dorfbewohnern zusammen. Wir haben sie unter anderem bei der Entwicklung der Landwirtschaft unterstützt und ihnen Wege gezeigt, wie sie sich damit aus ihrer Armut befreien können. Es waren zehn spannende Jahre, in denen wir und auch die Bewohner Kasambyas sehr viel voneinander gelernt haben. Eine Zeit, die wir nicht mehr missen möchten.

Wer sind wir?
„Hand in Hand for a better life“ ist eine Initiative aus zwölf Mitstreitern, Honnefer Bürger, Menschen aus der Region und einige Auswärtige, die die Bewohner Kasambyas seit zehn Jahren mit Hilfe zur Selbsthilfe Schritt für Schritt aus ihrer Armut geführt haben. Wir handeln dabei nach festen Prinzipien: Es gibt möglichst keine Geschenke. Fast alles erfordert, wenn möglich eine Gegenleistung. Transparenz steht an oberster Stelle. Gesammelte Spenden gehen direkt in die Umsetzung geplanter Projektvorhaben und jeder Spender soll das nachvollziehen können. Ob man einen Sack Zement, die Kosten für eine Geburt, eine Schulbank, Ziegelsteine oder einen HIV Test stiftet, alle Spenden kommen an und werden genau dafür verwendet. Und jetzt steht es da. Das neue Schulgebäude mit neun Klassenräumen, in dem gut 300 Kinder von guten Lehrern unterrichtet, ihre siebenjährige Grundschulzeit absolvieren können. Am 30. Januar war es dann endlich soweit und wir machten uns auf, die Schule vor Ort einzuweihen.

Auf nach Uganda!
Ein Aufenthalt in Uganda ist spannend. Es vergeht kaum eine Stunde ohne Überraschungen und manchmal ist es schwierig, cool und locker zu bleiben und den Humor zu bewahren. Es ist auch eine Reise von alt nach jung. Eine Reise aus Deutschland, dem Land, dessen Bewohner mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren zu den ältesten Ländern der Erde zählt, in das weltweit jüngste Land, in dem die Menschen durchschnittlich 14 Jahre alt sind. Und bei so vielen Kindern sind Schulen besonders notwendig.

Morgens 3.00 Uhr. Wir sind zu zweit. Mein Mitstreiter aus unserem Team heißt Gabor und gemeinsam schleppen wir unsere sieben Koffer ins Auto. Bad Honnef – Frankfurt – Brüssel – Kampala mit 124 Kilo Übergepäck in Form von medizinischem Gerät, wie Arterienklemmen, Geburtszangen und elektronischen Apparaturen. Eine freundliche Spende eines Arztes, die wir in Uganda zugunsten unseres Projektes an ein Krankenhaus verkaufen wollen. Ein anderer Arzt unserer Stadt hatte uns noch 15 Kilo Verbandsmaterial für unsere Krankenstation mit auf den Weg gegeben. Brüssel – Kampala: Neun Stunden Flug, Landung um 21.00 Uhr Ortszeit.

Die Einreise
Bevor wir zum Immigration Officer durchdringen, müssen wir unseren gelben Impfpass vorzeigen. Es wird kurz, willkürlich irgendeine Seite aufgeschlagen und ich bezweifle, dass der Health-Officer lesen kann, was dort steht. Aber Vorschrift ist Vorschrift. Dann geht’s zur Einreise. Der Immigration-Officer war anscheinend zur Ausbildung in den USA, denn er fragt nach demselben Schema mit demselben versteinerten Gesicht. Außerdem gibt es am Counter neuerdings Kameras und Scanner zur Erfassung biometrischer Daten. Die gleichen wie bei der Einreise in USA. Ich werde nur nach dem Grund meines Aufenthalts gefragt. Gabor muss allerdings beim Nachbarschalter das volle Programm mit Scannen beider Hände und Fotografie der Iris absolvieren. Warum er und nicht ich, lässt sich nicht ergründen. Wir waren beide schon Uganda. Hinter der Einreise das Kofferband. Erster Erfolg: Alle Koffer sind da! Uns konnte im Vorfeld niemand wirklich sagen, wie unsere Geräte zolltechnisch zu behandeln sind. Aber gerade als der Zoll unsere Koffer per Röntgenscanner kontrollieren will, kommt, wie vorher vereinbart, der Polizeichef des Bezirks Edward S. in die Abfertigung, wimmelt die Zöllner ab und wir können gemeinsam unter seinem Schutz unbehelligt den Flughafen verlassen. Laut fällt ein Stein vom Herzen. Father John-Paul Jjumba, ehemaliger Hausgeistlicher des KSI, begleitet seit Jahren unser Projekt und weil der Polizeichef sein Freund ist, hatte er diesen Empfang für uns vorbereitet. Großartig!

Acht spannende Tage am Äquator
Stephen, unser Projektleiter vor Ort, holt uns mit einem Kleinbus ab. Unterwegs erklärt er uns schon mal das Programm, das er nach unseren Vorschlägen vorbereitet hat. Unser Aufenthalt ist komplett durchgetaktet. Stephen hat ganze Arbeit geleistet und unseren geplanten Wunschablauf minutiös bis ins Detail umgesetzt. Bürgermeister, Schulaufsichtsbehörde, Schulkomitee, Konstruktionsteam und Projektleitung der Schule, zwei Gesundheitshelfer, Dorf-Projektteam Kasambya, 26 Patenkinder und die Krankenstation mit ihren Schwestern. Um Mitternacht erreichen wir Mityana und unsere Unterkunft. Am nächsten Morgen geht’s los. Fast jeder hatte sich mit einer Agenda vorbereitet. Wir durften sogar während der Sonntagsmesse in der vollen Kirche der Gemeindestation auf der Kanzel Werbung für unsere Schule machen. Eine Audienz beim „Kabaka“, dem König von Buganda, hat leider nicht geklappt. Solche Termine muss man unglaublich lange vorbereiten und nur wenige hätten die Chance auf eine Audienz, sagte man uns. Übrigens das Königreich Buganda ist ein Teil Ugandas in dem man Luganda spricht. In der nächsten Ausgabe geht’s ums Wasser und um Geld.     Fortsetzung folgt