Von Peter Hurrelmann

Im Projekt: Am Donnerstag treffen wir uns mit dem Projektteam aus Kasambya in unserer neuen Schule und sprechen intensiv über alle Teilprojekte. Wasser wird in den letzten Jahren zunehmend zu einem Problem. In den letzten Jahren regnet es spürbar weniger.

Der Klimawandel lässt sich hier kaum noch wegdiskutieren und wir überlegen, ob die drei gegrabenen Brunnen, die circa sieben Meter tief sind, in Zukunft noch ausreichen. Sie fallen, wenn es zu wenig regnet von Zeit zu Zeit trocken. Eventuell müssen doch teure Tiefbrunnen gebohrt werden.

Bis zu 100 Metern tief und man ist nie sicher, ob man bei einer solchen Bohrung Wasser findet. Wir vereinbaren, das Thema weiter zu beobachten. Auf unsere beiden Gesundheitshelfer sind wir ganz besonders stolz. Wir haben sie vor vier Jahren von unserem Projektarzt Dr. Mugambe in der benachbarten Kreisstadt Mityana ausbilden lassen.

Eine der beiden, Kivumbi Nalongo, eine kleine drahtige Frau mit quirliger Frisur erzählt energiegeladen von ihren Aktivitäten. Wie sie erste Hilfe leisten und wie sie die Einwohner über Ernährung, Krankheiten wie Malaria, HIV und über Geburtenkontrolle und Schwangerschaft beraten und akribisch alles in Listen aufzeichnen.

Den beiden ist es innerhalb der letzten drei Jahre gelungen, die unverhältnismäßig hohe Mütter- und Kindersterblichkeitsrate während der Geburt in Kasambya durch Beratung, Einführung eines Mutterpasses und regelmäßige Untersuchungen auf NULL zu reduzieren. Wie gesagt, wir sind mächtig stolz auf die beiden. In der Landwirtschaft hat sich das Lagerhaus, das wir vor fünf Jahren gemeinsam gebaut haben, zu einer absoluten Geldmaschine entwickelt.

Dort lagert die Genossenschaft, die das Team vor Ort vor sechs Jahren gegründet hat, derzeit Kaffee ein, da die Maisernte noch nicht so weit ist. Den Kaffee hat die Genossenschaft in den umliegenden Dörfern zum Tagespreis eingekauft und lagert ihn so lange ein, bis der Marktpreis um ein vielfaches gestiegen ist. Im April wird der Lagerraum wieder mit Mais gefüllt. Neben dem Lagerraum entsteht gerade ein Verkaufsladen für landwirtschaftliche Produkte und Geräte. Auch eine Schweinezucht betreibt die Genossenschaft seit einem Jahr ziemlich erfolgreich.

Genossenschaftliche Sparkasse gegründet

Mit ihren zunehmend erfolgreichen landwirtschaftlichen Aktivitäten konnten derzeit fast siebzig Familien nebenbei eine kleine genossenschaftliche Sparkasse gründen. Jede Familie zahlt monatlich einen kleinen, festen Betrag in Höhe von 10.000 Uganda Schilling, das sind 2,60 Euro auf ihr eigenes Konto ein. Aus dem Ersparten können die Mitglieder Mikro-Kredite bekommen, die sie mit 15% monatlichen Zinsen zurückzahlen müssen. Das klingt viel, funktioniert aber. Bisher konnten sich zwanzig Familien mit einem solchen Kredit kleine Stromversorgungsanlagen mit Photovoltaik auf den Dächern in ihre Häuser installieren. Sie kosten circa 100 Euro und damit haben sie zu Hause elektrisches Licht und konnten die gefährlichen und ungesunden Kerosinfunzeln aus ihren Häusern verbannen. Über 2.000 Euro wurden bisher durch die regelmäßigen Spareinlagen eingenommen und mit dem Geldverleih hat diese kleine „Sparkasse“ durch Zinsen fast 550 Euro Profit gemacht.

Geld!

„Man kann sich in Deutschland nicht vorstellen, welch positive Auswirkungen der Neubau einer qualitativ hochwertigen Schule, wie diese hier, für die Region hat.“, so die Chefin der Schulaufsichtsbehörde des Bezirks bei der Eröffnungsfeier.

Und es ist klar, dass ein solches Projekt nicht allein mit Spenden gestemmt werden kann. Neben vielen privaten Spenden und staatlichen Hilfen hat uns ganz besonders die „aktion weltkinderhilfe“ aus Bad Honnef unterstützt, ohne die wir es nicht geschafft hätten. Ganz vielen Dank für die großartige Hilfe! Zwar wird in den Klassenräumen schon unterrichtet, aber es fehlen noch wesentliche Gebäude, wie Schlafsäle, Küche, Mensa, Lehrerwohnungen, Verwaltungsräume, Toiletten und Duschen, die in den nächsten Bauabschnitten geplant sind.

Ein Tag in Kampala

Am Freitag geht es nach Kampala, die Hauptstadt Ugandas. Ein verkehrstechnischer Moloch. Aber wir brauchen dringend noch weitere Bücher, Hefte und Bleistifte für die Kinder. In diesem Chaos muss man sehr viel Zeit mitbringen und manche Strecken legt man schneller zu Fuß zurück. Es gibt zwar Verkehrsregeln, die haben sich allerdings noch nicht durchgesetzt und ich bin froh, dass wir nicht selbst fahren müssen.

Einer unsere Lehrer verschwindet in der Menschenmenge und besorgt die Bücher und alles weitere. Derweil kaufen Gabor und ich auf einem Markt 200 Ketten, die wir in Deutschland zu Gunsten des Projektes verkaufen wollen. Die Perlen sind aus dünnen Papierstreifen von alten, bunten Broschüren in Lack getaucht, mit Zahnstochern aufgerollt und getrocknet.

Schutz vor Terrorismus

Schon am Flughafen sind uns die, aus unserer Sicht völlig übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen aufgefallen. Aber Sicherheit scheint hier ein ganz besonderes Hobby zu sein und Uganda will vermutlich beweisen, dass man auf dem Weltparkett mitspielen kann und gegen Terrorismus bestens gewappnet ist. Selbst dort, wo man sie nicht vermutet, wie zum Beispiel am Eingang von Supermärkten stehen Torbogensonden und sie schlagen bei jedem an. Die Securitys dahinter, suchen dann mit piependen Handscannern stets irgendetwas am Körper. Aber auch wenn der Handscanner piept, wird nicht weiter nachgeforscht.

Telekommunikation

Man glaubt es kaum aber Telefonieren und Surfen im Internet ist hier gemessen an europäischen Verhältnissen sehr preiswert. Man kauft einen Prepaid Anschluss, der allerdings personalisiert wird, und „Airtime“ und schon kann man loslegen.

Erstaunlicherweise ist die Infrastruktur im gesamten Land sehr gut ausgebaut und unser Handy funktioniert nahezu überall. Sehr verbreitet ist auch die Bezahlung mit dem Mobile Phone. Man kann zusätzlich in Verbindung mit seinem Anschluss ein Konto eröffnen, auf das man „Mobile Money“ einzahlt. Fast jeder bezahlt so seine Rechnungen an andere registrierte „Mobile Money“ Kunden. In Europa ist man noch lange nicht so weit. Auf dem Weg zurück von Kampala preisen wir während der einstündigen Fahrt nach Mityana mit unseren Handys auf Facebook unsere Ketten an. Das Interesse ist groß und wir reservieren bereits dreißig Stück für unsere Facebookfreunde.

Der große Tag

Montag ist der große Tag der Einweihung. Mehrere hundert Besucher haben sich angekündigt und entsprechend viele Zelte und Stühle sind geordert. Eine Einweihungsfeier, wie sie im Buche steht, mit ganz viel Symbolik, Äquatorsonne und guter Stimmung. Sie beginnt gegen 11.00 Uhr mit einem Gottesdienst einschließlich einer Taufe eines kleinen Jungen, der auf den Namen „Peter“ getauft wird. Freu! Das Gebäude wird priesterlich geweiht und wir zerschneiden das symbolische Band. Dann pflanzen wir sechs Bäume auf dem Schulgrundstück.

Drei schattenspendende Gehölze und drei Avocadobäume. Irgendwie schießt mir das Gedicht vom Herrn von Ribbeck in den Kopf. Es folgen Tanzgruppen, Ansprachen von Würdenträgern, gemeinsame Gesänge, Theatervorführungen und Schülerchöre. Sogar Peter hat seine Rede auf Luganda übersetzen lassen. Hier ein Auszug: „Ndi musanyufu nnyo okulaba nga tukungaanidde wano awamu okuggulawo essuula empya mu kifo ekye Kasambya.“, heißt übersetzt:

„Wir freuen uns aufrichtig, dass wir heute hier zusammen gekommen sind, um gemeinsam mit euch eine neue Epoche für Kasambya und die gesamte Gegend einzuläuten.“ Jubelnder Beifall an den erwarteten Stellen während der Rede beweist uns, dass wir verstanden werden. Peter mahnt aber auch nicht zum ersten Mal ein zentrales Thema an, das unser deutsches Projektteam seit Jahren umtreibt. Die Verbindlichkeit.

„Europäer haben die Uhren, aber Afrikaner haben die Zeit“, sagt man hier. Verbindliche Absprachen waren und sind die größte Herausforderung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit auch in unserem Projekt. Als Wink mit dem Zaunpfahl schenken wir der Schulleitung als Spende eines unserer Teammitglieder eine echte Schwarzwälder Kuckucksuhr zur Erinnerung an diesen Tag.

Sie sorgt wie erwartet für großes Gelächter, als sie anfängt „Kuckuck“ zu rufen. Vielleicht hilft ja auch hier, wie schon öfter etwas Humor bei der Verständigung. Wir haben eine weitere Spende aus Deutschland mitgebracht. Eine große Glocke aus Messing, die in Zukunft laut den Beginn und das Ende der Pausen einläuten wird.

Die Chefin der Schulaufsichtsbehörde, Frau Rovinsa Namigadde lobt in ihrer Ansprache die gute Qualität des Bauwerks. Sie äußert sich ebenso positiv über die Auswahl der Lehrer und die gesamte Organisation im Vorfeld und sagt, dass sie sowas noch nicht so häufig erlebt hat. Ein großartiges Fest mit unbeschwerten Menschen, die diesem Tag die große Fröhlichkeit geben, die er verdient hat. Anschließend ein Festmahl mit allem, was die ugandische Küche hergibt.

Kohlehydrate in großer Konzentration: Matoke, ein ungesüßter Bananenbrei, Yams-Wurzel, Süßkartoffeln, Irish Potatos, Cassava oder Maniok, Posho, ein Brei aus Maismehl dazu Erdnuss Soße und etwas Schweine- und Hühnerfleisch. Übrigens Fleisch ist hier in Zentralafrika eine teure Delikatesse. Das Fest geht bis in den späten Nachmittag und dann heißt es Abschied nehmen. Abschied von den fröhlichen Menschen aus Kasambya und der Region, vom Dorfteam und dem agilen Schulkomitee, von den Lehrern und Patenkindern und allen anderen. Ganz viele Hände drücken unsere Hände und ich merke, wie ich eine kleine Träne abdrücke. Natürlich sehen wir uns wieder. Ich sehe im Rückspiegel, wie uns noch lange nachgewunken wird.
Entebbe

Am nächsten Morgen geht’s zurück nach Hause. Ugandas internationaler Flughafen Entebbe, der südlich von Kampala liegt, wird derzeit umgebaut. Die Baustelle ist sehr unübersichtlich. Es existieren kaum Schilder, die zeigen, wie man wo hineinkommt. Wir haben zwar noch Zeit, irren aber mindestens eine dreiviertel Stunde außen am Gebäude entlang und werden auf unsere Fragen immer wieder weiter und auch zurück geschickt.

Die Guides, die draußen eigentlich für Ordnung und Orientierung sorgen sollen, wissen aber auch nicht wirklich wo der richtige Eingang ist, und schleppen uns unsere schweren Koffer über provisorische Treppen nach oben und auch wieder nach unten. Zwischenzeitlich müssen wir immer mal wieder durch eine Sicherheitsschleuse mit Torbogensonden und Handscannern. Unsere 200 Ketten erregen dabei stets höchste Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals.

Jedes Mal müssen wir die Koffer öffnen, was immer zu verblüffter Freude führt. Aber wir werden auch gelobt, dass wir hier so viel gekauft haben. Zum Schluss ist es uns egal und wir gehen gegen den Strom durch den Ausgang ins Gebäude. Man versucht zwar lauthals uns aufzuhalten. Wir stellen uns jedoch taub und dumm und gehen einfach durch, ohne Sicherheitsschleuse. Endlich ein kühles Bier.

Fazit

Wir sitzen im Flieger. Eine wundervolle Strapaze mit ganz vielen überraschenden Momenten und Emotionen geht gerade viel zu schnell zu Ende. Acht Tage, die wir nicht missen möchten, waren eindeutig zu kurz. Tolle „Hand in Hand“ Erlebnisse, die auf beide Seiten sehr motivierend wirken.

Ziemlich erschöpft fängt mein Kopfkino an zu laufen. Ohne die Anstrengungen vieler Unterstützer in Deutschland, ob sie nun finanziell oder mit aufmunternden Worten geholfen haben, wäre das alles nicht zustande gekommen. Alle zusammen haben wir „Hand in Hand“ gemeinsam ganz Großartiges geleistet. „Webale nnyo obiyambi bwona.“, heißt auf Luganda „Danke für eure großartige Hilfe.“.

Der erste von drei Bauabschnitten der neuen Schule ist fertiggestellt und der Unterricht in den neuen Klassenräumen hat am 6. Februar mit gut zweihundert Schülern begonnen. Zurück in Deutschland werden wir umgehend abrechnen und unseren Geldgebern nachweisen, dass wir die Gelder zweckentsprechend und wirtschaftlich eingesetzt haben.

Stephen, unser Projektleiter vor Ort hat dafür bereits großartige Vorarbeit geleistet. Im nächsten Abschnitt, voraussichtlich noch in diesem Jahr, sind Übernachtungssäle mit Betten für Internatsschüler, eine Küche und eine Mensa sowie weitere Toiletten und Duschanlagen geplant. Im dritten Bauabschnitt kommen noch Lehrerwohnungen und Räumlichkeiten für die Verwaltung dazu. Das erfordert wieder umfangreiche Vorbereitungen bei der Beschaffung der Gelder.

Beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) müssen komplexe Anträge gestellt werden. Und wir suchen auch nach weiteren Stiftungen, die unser Vorhaben unterstützen würden. Und natürlich wünschen wir uns, dass wieder ganz viele private Spender unser Projekt unterstützen. Einer der wichtigsten Grundsätze unserer Arbeit ist Vertrauen. Menschen, die uns ihre Spende anvertrauen, können sicher sein, dass die Gelder direkt im Projekt ankommen und für das verwendet werden, für das wir sie in Deutschland gesammelt wurden.

Kein einziger Euro geht in fremde Hände und versickert dort. Auch vor Ort wickeln wir alle Geldgeschäfte nach dem 4-Augen-Prizip ab. Wir versuchen auch permanent, die Verwaltungskosten in Uganda auf ein Minimum zu reduzieren. Unser Team in Deutschland arbeitet ehrenamtlich und auch unsere Flüge bezahlt jeder aus eigener Tasche.

Und jetzt startet unser Flieger und ich sehe mit ein wenig Wehmut, wie die Häuser unter mir immer kleiner werden und unter der Wolkenschicht verschwinden. Und ich denke an die Menschen, die nicht, wie wir Europäer, rund um die Uhr mit Nachrichten zugeschüttet werden und die vielleicht auch deshalb eine wunderbare Gelassenheit in sich tragen. Sie haben eine Menge von uns gelernt. Und wir können noch so viel mehr von ihnen lernen. Tschüss Kasambya, wir sehen uns auf jeden Fall wieder! www.fachco.de