Stein Tveten Motorsport erringt Gesamtsieg beim 3. RCN-Lauf auf dem Nürburgring

Im Fahrerlager nach dem Rennen herrschte zunächst noch ungläubiges Staunen, dann brach sich der freudige Jubel Bahn. „Das wir hier und heute die Klasse gewinnen würden, nachdem unser Reifenpoker aufgegangen war, stand früh fest, dass wir aber – gegen viele, deutlich leistungsstärker Konkurrenten – auch noch den Gesamtsieg erringen konnten, ist einfach nur unbeschreiblich,“ so ein freudestrahlender Dr. Dr. Stein Tveten im Ziel im Kreise seines Teams.

Aber der Reihe nach: Vor dem Start am frühen Nachmittag sah es eigentlich stets so aus, als würde der dritte Lauf zur RCN-Rundstrecken-Challenge, der im Rahmen des 24h-Quali-Rennens ausgetragen wurde, bei trockenen Bedingungen gestartet: Das Wolkenbild und alle Wetter-Apps waren eindeutig! Als die 170 Teilnehmer auf der Start- und Zielgeraden des Nürburgrings aufgereiht waren, zeigte sich aber einmal mehr, dass der Nürburgring mit keiner Wetter-App zu erfassen ist. Es regnete heftig, und so mussten die Teams noch in der Startaufstellung hektisch auf Regenreifen wechseln.

Wie bereits beim ersten Lauf fuhr Holger Kroth den Start auf dem Porsche 991 des Bad Honnefer Teams Stein Tveten Motorsport. Schon sehr bald zeigte sich, dass der Porsche und die Hankook-Regenreifen kein Traumpaar bilden: „Im Porsche haben wir kaum Gewicht auf der Vorderachse, deshalb kommen die 19“-Vorderreifen nicht in das Temperaturfenster, in dem sie gut arbeiten und Grip aufbauen. Ich bin mehr gerutscht als gefahren und habe dann entschieden, kein Risiko einzugehen,“ so ein sichtlich frustrierter Kroth. Mit einem Rückstand von 58 Sekunden auf den Klassenführenden David Binkowska kam er nach sechs Runden an die Box, um den Porsche an Tveten zu übergeben.

Und jetzt zahlte sich die Routine und Erfahrung des Teams aus. Mit In- und Outlap stehen den Teams 48 Minuten für den Boxenstopp zur Verfügung. Während das Gros der Teilnehmer den Wetterprognosen vertrauend auf weiteren Regen baute und die Fahrt zügig wieder aufnahm, hatten Tveten und sein Taktikverantwortlicher abgesprochen, die zur Verfügung stehende Zeit auszunutzen und die Wetterentwicklung abzuwarten. Mehrfach mühte der Taktiker seine 125 Kg Kampfgewicht auf das Dach der Boxenanlage, um von dort den Wolkenzug zu beobachten. Fazit: „App hin, Prognose her, es wird nicht regnen!“ Als dann auch die Hankook-Ingenieure zu Slicks rieten, so der Fahrer es sich zutraute, mit den schwierigen Mischverhältnissen klar zu kommen, entschieden Tveten und Kniebes kurz vor Ende des Boxenstopp-Fensters dann: „Ok, wir gehen das Risiko ein und ziehen profillose Slicks auf! Sieg oder Streichresultat, Sekt oder Selters!“

Schon nach der ersten Runde war klar: Für den Moment waren Slicks die goldrichtige Wahl! Es durfte nur nicht mehr zu regnen anfangen. Nach drei weiteren Runden, in denen Tveten mit großer Fahrzeugbeherrschung die Reifenvorteile beherzt in exzellente Rundenzeiten umzusetzen vermochte, war ein überzeugender Gruppensieg in trockenen Tüchern.

Nach den doch recht bitteren Erfahrungen des letzten VLN-Laufs entschied der Taktiker an der Boxenmauer, nunmehr auf Nummer sicher zu gehen: „Besser etwas Vorsprung opfern und nachtanken, als die letzte Runde wieder nur im Notlauf zu beenden und den Sieg zu verspielen.“

Mit 15 Extra-Litern zu günstigen € 2,30/Liter konnte Tveten auch die letzte Runde bis ins Ziel genießen.

„Wir haben hier oben am Ring schon sowohl bittere Pleiten erlebt als auch tolle Siege – auch beim 24h-Rennen – eingefahren! Aber der Erfolg hier und heute ist ganz, ganz hoch einzuschätzen und zählt mit zu den schönsten Momenten in meiner Zeit als Rennfahrer,“ so das Fazit Tvetens. „Normal hast du gegen die leistungsstarken Specials in der Gesamtwertung mit einem seriennahen Produktionswagen keine Chance. Du musst auf solche Bedingungen wie heute hoffen, die dir in die Karten spielen. Und als die Chance heute da war, haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen und erstmals seit 2015 wieder einen Serienwagen auf P1 im Gesamtklassement gestellt. Einfach nur geil!“

Mit dem zweiten Sieg im zweiten Renen übernahmen Tveten/Kroth auch die Führung im Gesamtsieger-Cup. „Die Saison ist bisher wirklich gut gelaufen, auch dank der exzellenten Vorbereitung des Porsche, für die Holger verantworlich zeichnet,“ lobte Tveten seinen Co-Fahrer. „Wir funktionieren als Team und sicher wird der Erfolg uns weiteren Auftrieb für die kommenden Aufgaben geben. Gewinnen ist einfach viel, viel besser als Verlieren – gerade auch für die Motivation“

Weiter geht es jetzt übrigens an Fronleichnam mit dem nächsten Lauf zur RCN-Rundstrecken-Challenge, dann im Rahmen des legendären 24h-Rennens auf dem Nürburgring.                                                                                              H.J.Kniebes