Beste Freundinnen

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 „Ich will nicht in den neuen Kindergarten!“ zeterte sie und hockte sich störrisch auf den Fußboden. „Aber dort sind auch Birgit und Stefan!“ versuchte Mutter zu locken. „Wer sind denn Birgit und Stefan?“ fragte sie im Stillen und ließ sich von dieser Info nicht dazu überreden, ihren Protest einzustellen. Letztendlich erreichte Mutter dennoch ihr Ziel und die Kleine den Kindergarten. Dort lernte sie also Birgit und Stefan kennen.

Die Geschwister wohnten – welch eine Überraschung! – in derselben Straße wie sie selbst. Schnell wurde Birgit ihre beste Freundin. Die beiden Mädchen verbrachten möglichst viel Zeit gemeinsam. Wenn sie sich nicht treffen konnten, telefonierten sie. Sonntags lauerten sie in aller Frühe durch’s Fenster, ob die Freundin schon wach ist – in der Hoffnung, sich verabreden zu können.

Allerdings machten dann meistens die Eltern der einen oder der anderen einen Strich durch diese Rechnung. Wenn sie zusammen waren, vergeudeten sie keine Minute: Falls eine mal musste, ging die andere mit. Und auch am stillen Örtchen setzten sie ihre Gespräche über Barbie-Puppen, Schlagerstars, Jungen usw. fort. Sie spielten zu zweit Stadt-Land-Fluss bis zur Perfektion. Gemeinsam mit ihren Brüdern und anderen Jungs pirschten sie durch die nahe gelegene Wildnis, bauten dort Hütten, und bei den Spaßkämpfchen im großen Sandkasten schlugen sie sich ebenso tapfer wie alle Jungs der Straße.

Die Jahre vergingen. Aus den Spielen und Raufereien wurden Teekränzchen und Kuchenback-Sessions. Irgendwann kam  der Moment, als sie sich aus den Augen verloren. Doch eines Tages trafen sich ihre Mütter zufällig und erzählten von den Töchtern: Beide nun längst erwachsen, Studium abgeschlossen und im Job.  Als Mutter ihr von der Begegnung erzählte, entfachte sie wieder den Kontakt zur alten Freundin. Heute ist jedes Treffen der beiden so, als hätte man gestern noch auf’m Klo über Barbie-Puppen gequatscht. Franziska Lachnit (2018)