Foto: Eine Stadt voller Rosen: Rosenfest in Bad Honnef

Zum Wochenende: Überangebot an Unterhaltung

Die Woche endet spektakulär. Honnefer Menschen werden wieder von zahlreichen Unterhaltungswilligen und Neugierigen besucht werden. Sie können zwischen gleich zwei Großveranstaltungen und mehreren kleinen wählen. Hier eine helfende Handreichung.

Die „Gipfelstürmer Mittelrhein“ veranstalten auch ihr 2018er Festival im Weinberg am Drachenfels. Vier jungen Winzer stellen ihre drei Weingüter und deren Produkte, Philosophie, Besonderheiten vor. Jeweils im eigenen kleinen Zeltdorf entlang des Wanderwegs unter dem Siegfriedsfelsen. Am Freitagnachmittag und -abend (8.6.), am Samstag ganztags (9.6.). Speisen und die bei Winzern unvermeidlichen Getränke stehen für viele Hungrige bereit, die dann einen wirklich tollen Blick auf den Rhein unter ihnen haben. An zahlreichen beschatteten Tischen. Beeindruckend dabei immer wieder, wie selbstverständlich die Gäste mit ihren Nachbarn ins Gespräch kommen. Wein lockert eben die Zunge, das Ambiente die Atmosphäre. Das Festival gewann in kurzer Zeit erhebliche Tradition, auch diesmal werde einige Tausend erwartet. Noch allerdings sind die Winzer Felix Pieper, Sebastian Schneider, Thomas und Martin Philipps in der Tat jung. Auch modern, innovativ, anders. Probieren Sie! Werfen Sie Ihre eventuellen Vorbehalte aus grauer Vergangenheit über den Haufen! Aus eigener Erfahrung, mit Lust an Qualität, jenseits des Mainstreams von Großhandels-Pinnohgrischijoh oder –Schaddonnäh.

Das „Rosenfest“ heißt wohl so. weil es irgendwie heißen muss. Es ist ein Sommerfest, eine Art sommerliches Pendant zu „Fühl Dich Frühlich“ und Martinimarkt. „Centrum e.V.“ als Vereinigung der Honnefer Geschäftsleute zelebriert in bewährter Art, lässt Stände in der Innenstadt aufbauen. Von Freitag bis Sonntag mit verkaufsoffenen Läden bis 18 Uhr. Ausgelobt wird „ein Event des guten Geschmacks“; so gut, dass einst Verona Pooth – die mit dem Blubb – einige Meter neben Wolfgang Clement über den Marktplatz schwebte. Das ganz Besondere an diesem Stadtfest ist aber die Rosenkönigin. Über die diesjährige Regentin blieb alles noch total geheim. Dennoch wird das Rosenfest wieder viele zufriedene Gäste haben und läuft am Sonntag dann ohne Konkurrenz aus dem Weinberg.

Vom sonstigen Wochenendprogramm seien stellvertretend zwei Veranstaltungen empfohlen. Am Samstag ist der Bad Honnefer „Tag der Elektromobilität“. Unternehmen und Produzenten stellen auf dem Parkplatz Kirchstraße (bei Herrenmode Bähr und Mister Baker) ihre Branche, Ideen, Erzeugnisse aus. Sie informieren über das, was noch immer neu ist. Eine ganz alte Idee wird an allen drei Tagen des Wochenendes im Schloss Hagerhof gründlich verjüngt: Das neue Musical feiert seine Premiere, was wie stets mehr als einen Geheimtipp verdient.   

Ein Denkmal wackelt – und bleibt erst mal.

Bleiben wir bei Kultur im weiteren Sinne. Das Restaurant Vierkotten, gastronomische Ikone mit dem leckeren Schnitzelmontag, prophezeite bereits in 2017 seinen eigenen Abgang. Die Betreiberfamilie Eschbach suchte eine Nachfolgerin. Nicht Wenige erwarteten damit einen vollkommenen Wandel der gastronomischen Ausrichtung des Lokals. Jenes Lokals, in welches der Rat nach Sitzungen regelmäßig „auf ein Bier“ (klassischer Fall von pars pro toto) geht. Wo ein Karnevalsverein seinen Sitz hat und Sportler ihre dritte Halbzeit. Wo gekegelt wird und samstags Eintopf gelöffelt. Und wo es noch richtige Stammtische gibt, die auch in Bad Honnef zunehmend aussterben. Es geht um eine Drehscheibe hiesigen Lebens, um eine Kernkompetenz bürgerlicher Gewohnheiten. Honnefs City, die um ihre Besucherzahlen kämpft, braucht den Vierkotten.

Ein Nachfolger mit ernsthaftem Interesse hat sich bisher nicht gemeldet. Sagen gut informierte Kreise mit unverhohlener Erleichterung. Aus gleicher Quelle die Nachricht, dass bereits wieder für das ganze Jahr reserviert und geplant wird. Stets unter dem Damoklesschwert der fortgesetzten Nachfolgesuche. Vorerst geht es also erstmal weiter „bei Eschi“.

Luft nach oben

Der Biergarten auf der Insel, zurecht als der schönste nördlich von Bayern beschrieben, hatte einen fulminanten Start ins Jahr. Ausnehmend gutes Frühjahrswetter führte zum gewohnten Chaos: lange Schlangen, Warten auf Bier oder alternative Flüssigkeiten. Wer hingeht, weiß es – und will es. Die hohe philosophische Kunst des gelebten Paradoxon. Weil es schön ist. Ein Erlebnis

Überhaupt boomen Biergärten und Ufergastronomie. Anleger 640 im alten Fährhaus am entsprechenden Rheinkilometer – mediterranes Flair, klasse portugiesische Küche! Irgendwo zwischen hölzernen Brauhausgarnituren und lokaler Elite. Noch weiter im Süden die Biergärten am Campingplatz und RheinAir – eigentlich knapp jenseits der Stadt- und Landesgrenze, aber sowas von dazugehörig. Das Rheingold an der Endhaltestelle – grundsolide und stets seine Preise wert. Direkt daneben das Eisatelier – wo Du schmeckst, dass Eismachen ein Handwerk ist. Nur Rhöndorf ziert sich noch und lässt sein Rheinufer meist in privater Nutzung.

Es geht los am Stadtgarten

Letzte Woche rief die Bürgerinitiative ins Hotel Seminaris. „Rettet den Stadtgarten!“ Information und  erster organisatorischer Schritt zur Bewältigung des Bevorstehenden. Und die Zeichen stehen auf Bürgerbegehren.

Klarer Eindruck: Die wollen gewinnen. Wollen durchsetzen, dass der sie und andere schützende Baumbestand nicht gefällt wird, um dann direkt an der Schnellstraße Wohnbauten hochzuziehen. Und weil sie viele Argumente haben, kamen auch Viele.

Wie stets begründete die Bürgerinitiative ihr Anliegen sehr sachlich und ruhig. Weil sie unbeirrt bei dieser Linie bleibt, Bescheidenheit und vor allem Kompetenz ausstrahlt, sind einige zunächst eher wenig qualifizierte Kommentare aus dem Rathaus und durchaus diffamierende Unterstellungen inzwischen verstummt. Das birgt Chancen. Denn so läuft es auf einen sachorientierten Austausch von seriösen Positionen hinaus, an dessen Ende womöglich Bürgerinnen und Bürger an Urnen selbst entscheiden. Die Frage nach „Quantität oder Qualität“ könnte tatsächlich jenseits der ideologischen Gläubigkeit zur gut beleuchteten und damit begründet entscheidbaren Alternative werden.

In dieses Bild passt auch die überraschende Information der Bürgerinitiative, dass sie gerade einen „Verein Stadtgarten“ gründe. Der soll sich – auch (und gerade) nach dem Entscheid – um den Stadtgarten kümmern, dabei die Stadt unterstützen. So wie es der Freundeskreis Reitersdorfer Park seit Jahren tut. Das sei ein Angebot. Und Perspektive, Weitblick.

                                                                                                   Burkhard Hoffmeister

Foto: Rike /pixelio.de