Klare Beschlüsse zu von-Stauffenberg- und Brückenstraße

Für beide Straßen wird die Planung fortgesetzt und der Ausbau vorbereitet. Mit großer Mehrheit sah es der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Bauen so, dass zuvorderst die weitere Sanierung zahlreicher Honnefer Straßen zu sichern ist. Der Prozess zur Erledigung dieser Aufgabe soll nicht unterbrochen werden. Bedenken vor allem der Grünen zu fehlender Transparenz in Kostenfragen und zur Würdigung von Anwohnerinteressen blieben in der Minderheit. Ebenso eine Klärung der Frage, ob es sich bei der Brückenstraße tatsächlich um eine Anwohner- oder doch eher um eine Durchgangsstraße handelt.

Es wurde ausgiebig diskutiert und argumentiert. Insbesondere die Höhe der Anwohnerbeiträge sei bereits eine Woche zuvor im Haupt- und Finanzausschuss per Beschluss zur Prüfung befohlen worden; die Chance einer neuen Bemessung und damit auch ggf. zur Senkung der Anwohnerbeiträge sei damit grundsätzlich eröffnet. Demnach sei aus solchen Gründen ein Zaudern bei beiden Straßen nicht gerechtfertigt.

Damit folgt der Ausschuss prinzipiell auch jener Konsequenz, die Bürgermeister Neuhoff schon bei der maroden Kanalisation in der City oder bei den morschen Fenstern des Siebengebirgsgymnasium demonstriert hatte. Dinge, die wirklich kaputt sind, werden sofort repariert oder saniert – auch wenn es weh tut.

Generell mahnten die Parteien zu verständlichen, differenzierten und transparenten Kostenberechnungen. Die gäbe es nicht. Was in der Tat zutrifft. – Die Verwaltung lobte Besserung.

Debatte über Anstand

In der Diskussion wurde an Anstand appelliert. Fachbereichschef Fabiano Pinto hielt daraufhin Kritikern vor, dass Planung nie eine Frage von Anstand oder gar Moral sei. Recht hat er. Und eben eine klare Perspektive und Sicht der Dinge.

Er reagierte damit auf den Vorwurf, auf eine irgendwie transparente und aussagekräftige Kostenberechnung werde verzichtet. Der Griff in die Konten von Anlegern würde in seiner Höhe nicht seriös begründet. Das jedoch geböte der Anstand seitens Verwaltung und Kommunalpolitik gegenüber Bürgerinnen und Bürgern. Recht haben wohl auch Jene, die dies vertreten und die Sache so sehen.

Glaubensfrage? Wohl eher ein Problem, das oft auftaucht, wenn es um Rechthaben geht. Ambivalenz der Perspektiven. Das ewige Thema nicht nur lokaler Politik. Welche Aspekte sind wichtiger, wessen Interessen wiegen schwer, wessen schwerer?

Mobilitätskonzept?

Die sogenannte „Karreelösung II“ wird als neues Konzept der Verkehrsführung in der Innenstadt nicht weiter verfolgt. „Die weitere Prüfung und Planung… wird eingestellt; bei Planungen und Maßnahmen… innerhalb des betroffenen Stadtbereichs wird am bestehenden Straßennetz bzw. Verkehrssystem festgehalten.“

Das ist ein radikaler Beschluss. Er wurde in sehr großer Einmütigkeit gefasst. Und soll den Weg freimachen, weitere Lösungen abzuwägen. Was glaubhaft begründet wurde bis hin zum Vorschlag, zunächst ein generelles Mobilitätskonzept für Bad Honnef zu erarbeiten. Eine Idee, die gleich mehrere Parteien in ihren kommunalen Programmen führen. Aber auch eine Idee, die bei manchen Pragmatikern eher Skepsis erzeugt, ob so aktuelle Hausaufgaben liegen bleiben könnten.

Katholisches Pfarrzentrum von der Tagesordnung genommen

Das große Projekt zwischen der Kirche am Marktplatz und dem Rathaus wollte der Planungsausschuss nicht behandeln. Hier seien erst weitere Fragen zu beantworten.

Bei der Auswahl dieser Fragen wurde Raum zur Interpretation gelassen. Im Wesentlichen geht es um drei Problemfelder. Wird es zu einer Erweiterung der Planung um Gruppenräume und Platz vor allem für die der Kirche verbundene Jugend kommen? Und finden die Bedenken der gerade gegründeten Anwohnerinitiative zu baulicher Gestaltung und Dominanz, aber auch zu anderen Aspekten Berücksichtigung? Und was ist mit Parkplätzen, die zum Bau einer Veranstaltungsstätte doch zwingend gehören in ausreichender Zahl? – Im Prinzip bestätigte sich der zuvor schon einige Male geäußerte Eindruck, dass hier dem katholischen Investor zu früh zu viel Raum bei zu wenig Nachfragen  gegeben wurde. 

Englischer Rasen oder Wiese und Natur?

Was würden Bienen bevorzugen, was Insekten oder sonstige Fauna? Wenn Bienenweiden diskutiert werden und gleichzeitig weitgehend naturbelassene Grünflächen planiert, dann ist das bemerkenswert. Und passt nicht wirklich gut zusammen.

Einst waren es BUND, NABU und Grüne, die für Blumenwiesen und naturnahe Gestaltung warben. Inzwischen wissen TV, Internet und auch Regenbogenpresse um den Wert von Bienenweide&Co.. Wenn heute weniger Arbeit bei der Tankstelle zum Reinigen der Windschutzscheibe anfällt, dann geht das einher mit weniger Insekten ganz allgemein. Was dann wiederum weniger Bestäubung folgert, weniger Honig und Obst im Garten, weniger Vögel als Folge von Nahrungsmangel. Das mag man nicht; das will man nicht.

Also mühen sich erste Privatgärten um blumenreiche Magerwiesen mit Nelken jenseits der Vase auf dem Esstisch. Lassen Hecken zu, die den Namen verdienen. Penibel gezirkelte Rabatten passen immer seltener zum Charme einer grünen Oase ums Haus herum. Nicht mehr jede Fuge zwischen den Platten des Gartenweges wird sofort mit Flammen oder Gift bekämpft. Dahinter steckt zunehmende Erkenntnis: Aufgeräumtes Grün ist oft eher ausgeräumte Natur.

Jedenfalls liegt nahe, dass im Bad Honnefer Stadtgarten der später angebaute parkähnliche Bereich nicht der wertvollere ist. Weder für die Natur noch für die Artenvielfalt noch für Menschen in ihrer Umwelt. Schon gar nicht als Bienenweide.              Burkhard Hoffmeister

Foto: Andreas Hermsdorf/Pixelio