GRÜNE: BM-Kandidatin Gabi Clooth-Hoffmeister: „Schlauer werden ist erlaubt“. Insel-Gestaltung (Foto) sorgt für Protest.

Als Aachener Mädchen geboren verschlug es die promovierte Physikerin Dr. Gabi Clooth-Hoffmeister nach Studienzeit und ersten Arbeitsjahren in Bonn eher durch Zufall nach Bad Honnef. „Zum Glück“, kann sie heute sagen. Denn hier hat sie seit über zwanzig Jahren ihre Heimat gefunden. Oft macht sie einen Spaziergang am Rhein entlang. Bis zum Wasser braucht sie keine zwei Minuten; jedes Mal ist sie dann aufs Neue begeistert. 

„Und das sollte man bewahren. Die grünen Streifen Natur, die sich durch Honnef ziehen – am Rhein, im Siebengebirge oder auch innerhalb der einzelnen Stadtteile. Wir können uns glücklich schätzen, Erholungszonen vor der Haustüre zu wissen. Mir liegt es am Herzen, gerade solche besonderen Bereiche zu schützen. Ein gutes Beispiel bietet hier die Insel Grafenwerth: Die Insel war schon immer ein Ort, den eine ganz besondere Atmosphäre umgibt. Auf mich wirkt sie durch die freie Natur oft ein wenig verwunschen. Alle Generationen treffen sich dort; es wird Fußball oder auch Tennis gespielt, neben einem wunderbaren Freibad. Bei alledem ist die Natur greifbar. Kreuz und quer wachsende Bäume, Büsche und Sträucher, gerade an den Ufern und insbesondere der Süd- und Nordspitze, sind das, was unsere Insel wirklich ausmacht. Bei den Beratungen zur Umgestaltung schien es, als wäre es Ziel, diese Natürlichkeit zu bewahren. Leider ist das ganz und gar nicht der Fall.

Verwirrt steht man heute am Zaun des ersten Bauabschnitts und sieht keine ‚echte‘ Natur mehr. Nur auserwählte Bäume dürfen bleiben, unnatürlich kurvt ein akkurater Weg um die Spielabschnitte herum. Kalte Betonbänke. Mittlerweile kann man vom ersten Anleger aus direkt bis zur Inselspitze schauen – der Blick folgt dem präzisen Weg. Kiesel, Sand, Sträucher sind weg. Geplant ist solche Umgestaltung noch für Bauabschnitte zwei und drei. Lediglich die Klage von BUND führte zu einem Stopp. Für mich ist klar: in dieser Form sollte und darf es keine weiteren Umgestaltungen mehr geben!

Die Insel muss behutsam mit einer auf Nachhaltigkeit basierenden, umsichtigen Vorausplanung angegangen und „Renovierungen“ durchgeführt werden: alte Bänke durch neue ersetzen, Wege verbessern, z.B. die Fläche zum Basketballspielen fit machen. Wir brauchen unsere Insel in ihrem natürlichem Glanz. Sie ist ein Bad Honnefer Herzstück und sollte in ihrer Natürlichkeit erhalten bleiben!“

„Die Stadt wird geführt wie ein Konzern. An der „Verpackung“ nach außen wird immer mehr gefeilt.  Soziale Verantwortung, Empathie, Transparenz und Teilhabe der Bad Honnefer Bürgerinnen und Bürger sind jedoch verloren gegangen.  Viele Menschen sehen sich heute Entscheidungen ausgesetzt, die sie unmittelbar betreffen – manchmal sind es dann auch Baumaßnahmen direkt vor der eigenen Haustür. Beteiligung, mögliche Einflussnahme auf das Vorhaben – Fehlanzeige. Lösungen und Maßnahmen sind häufig umstritten, werden auf Festen, im privaten Umfeld und in sozialen Medien lange heiß diskutiert. Oft sind sie nicht nachhaltig – Probleme werden nicht gelöst, sondern neue geschaffen. Die Stadt sollte unbedingt mehr mit ihren Bürgerinnen und Bürgern reden, diese als Gesprächspartner ernstnehmen.

Nur so können gemeinsame und auch auf breiter Basis getragene Lösungen entstehen. Bürgerinitiativen, Expert*innen, Verbände, Vereine zusammenbringen und gemeinsame Wege ermitteln, das ist für mich die Herausforderung. Kompromisse finden – von vielen getragen – und den Weg in die Zukunft ebnen. Natürlich müssen auch weitreichende Entscheidungen getroffen werden, aber diese gehören in regelmäßigen Abständen auf den Prüfstand. Schlauer werden ist erlaubt. Einen Spruch wie ‘jetzt ist es entschieden, und jetzt ist es aber genug‘, ist bei komplizierten Sachzusammenhängen heutzutage wirklich nicht mehr angesagt. 

Vor sechs Jahren  haben wir viele Inhalte mit auf den Weg gebracht, doch die Praxis verdrängte diese Themen. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum, aber nicht in Konkurrenz zu den Bäumen des „nördlichen Stadtgartens“, der Klima und Bad Honnef schützt. Es ist an der Zeit, dass unsere Stadt im Grünen den Klimaschutz wahrnimmt. „Urban Gardening“ im Stadtgarten – das wäre ein ganz anderer, nachhaltigerer Ansatz. Ich spreche mich für die Ausweisung von Klimaschutzgebieten aus, damit ein solcher Streit gar nicht entsteht, der Fronten in der Bevölkerung schafft, Geld vor Gericht kostet und unendlich Zeit und Kraft verschwendet. Es gibt durchaus Bebauungsgebiete in dieser Stadt, die Sinn machen und die die Anstrengung verdienen. Stadt Im Grünen – Grün in der Stadt.

Das sogenannte Parkraumbewirtschaftungskonzept füllt den Stadtsäckel, lenkt aber nicht den Verkehr und zieht schon gar nicht Menschen in die Innenstadt. Hier sollten intelligente Lösungen wie „Shared Space“ Einzug finden. Stattdessen erlebt die Bürgerschaft seit Jahren die unendliche Geschichte der aneinandergereihten Baustellen. Die es fast unmöglich machen von A zu B zu kommen. Hier ist dringend erforderlich, ein nachvollziehbares Baustellenmanagement einzuführen, das Maßnahmen erträglich verteilt, Anwohner und Geschäfte nicht über die Maßen belastet.

Das Thema Nahversorger in der Fußgängerzone darf nicht aufgegeben werden. Es muss möglich sein, dort ein Paket Milch oder Butter zu kaufen. Warum nicht innovative Wege beschreiten? Ein Ladenlokal anmieten und kreative Lösungen – z.B. einen „Nahversorger-Verein“ oder Genossenschaften mit diesem Ziel – unterstützen. Gern kombiniert mit einem Unverpackt-Laden. Das online-Kaufhaus sollte von lokalen Fachleuten mit Herzblut für die Stadt entwickelt werden – von der Gemeinschaft der Geschäfte getragen – beraten und gefördert durch die Stadt. Lokale Wirtschaftsförderung zeigt sich auch darin, die Fachleute vor Ort zu sehen, und nicht außerhalb vermeintlich große Namen zu suchen. Nach dem Corona-Lock-Down muss die Wirtschaft gemeinsam neu gedacht und aufgebaut werden. Global denken, lokal handeln. Das ist mehr als ein Spruch. 

Aufgaben sehe ich oft anders: Senkung der Grundsteuer B und weiterer Gebühren (auch nach der Krise). Beachtung der Interessen und Forderungen von Kindern und Jugendlichen, Familien und anderen Lebensentwürfen. Von Senioren, Vereinen und Kulturschaffenden. VerkehrsBERUHIGUNG. ÖPNV, der verbindet – auch über Bad Honnef hinaus. Ein sicheres Rad- und Fußwegenetz. Aegidienberg mit seinen 13 Dorfgemeinschaften wirklich in die Stadtpolitik einbeziehen. Eine weiterführende Schule im Bergbereich… Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, die sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagieren, und parteiübergreifend mit dem Fokus auf Soziales, Umwelt und Klima.

Ich möchte Bürgermeisterin werden, damit Bad Honnef mit Orientierung auf Gemeinwohl und Klimaschutz bei gleichzeitiger vernünftiger Haushaltpolitik allen Bürgerinnen und Bürgern die Heimat bietet, in der es sich gut leben lässt. Die Stadt darf fein wirken – vor allem aber muss sie sozial handeln und Menschen wertschätzen.

Frau kann nicht immer nur kritisieren, sondern ist irgendwann auch in der Verantwortung aktive Mitgestaltung anzubieten.“ GC