Bad Honnef 2032

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Meine sehr verehrten Damen und Herren, gleich zu Beginn ein winzig kleiner Leserbrief von Herrn Thienen: „In Madrid, Rom, Moskau, Oslo und Thessaloniki sind sie schon so weit: Straßen wurden umgewandelt, aufbereitet zu Flaniermeilen, Grünanlagen, Freizeitparks. Der Pariser Stadtrat hat kürzlich zugestimmt, dass eine Schnellstraße die Seine entlang zur Fußgängerzone wird. Begründung: Im Zentrum einer modernen Metropole sei für solche Straßen kein Platz mehr. Und in Honnef diskutieren sie über Innenstadtring und Parkplätze im Zentrum…“ Jawohl. Es beeindruckt mich doch sehr, dass Herr Thienen Bad Honnef in einem Atemzug mit Madrid, Rom oder Moskau nennt. Recht hat er. Auch in Bad Honnef wird kommen, was kommen muss: Ein autofreier Marktplatz, Einbahnverkehr in der Hauptstraße, weitere Blumengitter auf Halteverbotsplätzen. Mit dem modernsten Kanalisationssystem im Bauch lässt es sich vortrefflich in die Zukunft planen. Ich denke, nach der Amtszeit von Otto Neuhoff, so um 2032, werden wir unsere ehemals so schön verschlafene Stadt nicht mehr wiedererkennen. Der Bahnhof liegt dann längst an der Endhaltestelle, Birkenstock ist zurück im Lohfeld und 3.000 Mitarbeiter von Wirtgen wohnen im dezent bebauten Honnefer Süden. Es bewegt sich was. Drei unverwechselbare gastronomische Betriebe sind aus dem Boden geschossen: „Karlottas“, „Delicious“ und „Hausgemacht“. Alle drei sind wohltuend anders als die bestehenden Restaurants. Gestern in der Nachmittagszeit habe ich mir die Läden angeschaut, alle drei waren richtig gut besucht. Zu den Shooting Stars der Gastronomieszene gehören 2016 freilich auch „Der Anleger 640“ an der Fähre und „Die blaue Sau“ auf dem Birkenstock-Gelände. Vor 30 Jahren sah die Welt noch ein wenig anders aus. Da betraten zwei Jünglinge die Bad Honnefer Gastronomie-Bühne. Sie waren dünn und hungrig. Einer von den beiden ist immer noch dünn und hungrig. Hungrig auf Lebensfreude und Innovation in der Gastronomie. Ich hatte es schon mehrfach angedeutet, die Jünglinge von damals haben sich wieder zusammengetan, dort wo sie angefangen haben, im Inselcafé auf der Insel Grafenwerth: Hermann J. Nolden und Wolf Neumann. Neumann wechselt am 1. November vom Weinhaus Hoff in Rhöndorf zurück auf die Insel. Sie sollten sich dort schon einmal einen Tisch reservieren. Für alle Neubürger zur Info: Damals, vor 30 Jahren, war das Inselcafé im Sommer wie im Winter die angesagteste Adresse für Freunde der guten Küche. Quasi eine Pilgerstätte für Gourmets. Neumann war der erste Bad Honnefer Koch mit Stern. Sie wissen was ich meine. So, genug geschleimt. Gestern war ich bei Herrn Eschbach ein Schnitzel essen. Auch perfekt. Will sagen: Bad Honnef ist zurück auf dem Gastronomie-Olymp. Jetzt fehlt nur noch eine Wiederbelebung des „Eastwood“ in der Linzer Straße. Herr Hatterscheid, bitte übernehmen Sie! Noch mal für Neubürger: Diese Giganten der Bad Honnefer Gastronomieszene, eben Hatterscheid, Neumann und Nolden waren ganz, ganz früher schon einmal ein Team. Aber, das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Und wenn ich´s nicht vergesse, dann erzähle ich die mal bei passender Gelegenheit. Guten Hunger allerseits… bö