Förderung weiterhin enorm wichtig

Dabei sein: Mehr Teilhabe für Kinder aus einkommensschwachen Familien in Bad Honnef. Bezogen auf das durchschnittlich verfügbare Einkommen der Bürger ist Bad Honnef eine der reichsten Städte in NRW. In Bad Honnef lag dieser Wert nach dem letzten Sozialbericht der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis von 2009 um 50 % höher als in den anderen Kommunen des Kreises. Dennoch hatten zu diesem Zeitpunkt etwa 20 % der Bürger nur ein Einkommen von unter 20.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Heute kommen in Bad Honnef knapp 10% der Kinder bis 14 Jahre aus einer Familie, die Sozialleistungen erhält (SGB XII oder SGB H/Hartz IV), die etwa 100 Flüchtlingskinder sind hier nicht mitgerechnet. Dazu kommen Kinder, in deren Familien das Einkommen nur knapp über der Grenze für den Sozialleistungsbezug liegt und die deswegen in diesen Statistiken nicht erfasst werden. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in Bad Honnef also immer noch weiter geöffnet als in anderen Orten. Kinder und Jugendliche werden das besonders empfinden, da sie sich an ihren Alterskameraden orientieren und in diesem Alter vor allem eins zählt: Dabei sein. Die Teilhabe an den Aktivitäten der Alterskameraden ist für diese Kinder aber gegenüber den anderen deutlich eingeschränkt, das gilt auch für den Zugang zu Bildungsangeboten. Beide Aspekte sind nach dem Ergebnis aller Studien entscheidend für eine chancengleiche Entwicklung. Altersgemäße Aktivitäten sind zum Beispiel Mitgliedschaften in Sportvereinen oder kulturellen Bildungseinrichtungen (Musikschulen) oder andere Freizeitangebote. In Bad Honnef kann sich hier über bürgerschaftliches Engagement aber durchaus etwas daran ändern, wobei bereits viele Vereine und Institutionen durch Sponsoren in ihrer Jugendarbeit unterstützt werden, was deren Mitgliedern zugutekommt. Davon profitieren aber nicht die Kinder, die in solche Strukturen gar nicht erst eingebunden sind und die eine Einzelförderung brauchen. Für sie engagiert das Bündnis für Familie schon seit seiner Gründung 2009 mit dem Projekt „Dabei sein“. Die Anregung dafür kam aus den positiven Erfahrungen in einer anderen Kommune (Limburg): Bürger oder Institutionen spenden Geld, mit dem die Teilhabe von Kindern aus finanziell schlecht gestellten Familien gefördert wird: Freizeitaktivitäten, Sport, Musikschulunterricht und unter Umständen auch eine außerschulische Förderung von Schulleistungen, wo eine häusliche Förderung nicht möglich ist. Für diese Förderung braucht es einen „Paten“ aus der kommunalen oder freien Jugendhilfe, aus der Schule oder aus einer caritativen Organisation, der die Lebensumstände der infrage kommenden Familie kennt und die Leistung beantragt. Er trägt auch Sorge dafür, dass die Spendengelder wirklich sachgerecht verwendet werden, das Kind die Aktivität also auch nutzt. Der Weg zur Förderung ist unbürokratisch: Es gibt ein einseitiges Formular, auf dem die Förderung auch ohne Namensnennung des Kindes beantragt werden kann. Es muss sichergestellt sein, dass für die Fördermaßnahme nicht vorrangig staatliche Mittel einzusetzen sind (z. B. über das Bildungs- und Teilhabegesetz). Gefördert wird zunächst über einen begrenzten Zeitraum, nach Rücksprache mit dem Paten kann die Förderung verlängert werden.

Gefördert wurden bisher über 100 Kinder mit etwa 10.000 Euro.

Beate Schaaf