Meine sehr verehrten Damen und Herren, nicht wenige Politiker behaupten immer wieder: „Die Welt nach „Corona“ wird eine andere sein“. Regeln wie 1,5 Meter Mindestabstand und der Verzicht aufs Händeschütteln müssten weiter gelten. „Das wird definitiv etwas sein, was uns im Alltag noch über viele, viele Monate begleitet“, meinte Jens Spahn. Ganz auf die Begrüßung zu verzichten, sei dagegen keine Option, sagen Psychologen. Begrüßen schaffe Verbindung. Laut Verhaltensbiologin Imme Gerke, Trainerin für interkulturelle Kommunikation, sei die Begrüßung zudem ein „aggressionshemmender Mechanismus.“Die Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“, auf die sich auch die Bundesregierung beruft, empfehlen, Lockerungen an das flächendeckende Tragen von Nase-Mund-Schutz zu knüpfen. Solange es davon nicht genug gibt, soll der Mangel „bereits jetzt durch selbst hergestellten Mund-Nasen-Schutz, Schals und Tücher überbrückt werden“. Dieser Schutz kann keine Ansteckung verhindern, aber laut Virologen die Viruskonzentration verringern, die Infizierte ausatmen. Vier von zehn Arbeitnehmer könnten laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) von zu Hause arbeiten. Das war 2016, viele durften aber nicht. Größte Befürchtung der Chefs sei eine geringere Leistung, sagt Jan Digutsch, Arbeitspsychologe am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund. Schon vor Corona hätten Studien gezeigt, dass die Sorge meist unberechtigt ist. Das erzwungene Homeoffice durch Corona sieht er als Chance für mehr Akzeptanz nach der Krise. Chefs könnten erkennen: läuft doch. Auch, weil sie in Windeseile die technischen Voraussetzungen geschaffen haben. Verlagert sich Einkaufen nun ganz ins Internet? Könnte man meinen, stimmt aber nur bedingt. Um gut 18 Prozent brach der Onlinehandel im März 2020 ein. „E-Commerce ist heute ein normaler Einkaufskanal“, sagt Gero Furchheim, Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh). „Deshalb wirkt sich solch eine Krise in der Konsumstimmung voll auf unsere Branche aus.“ Der Handel mit Bekleidung brach demnach sogar um 35 Prozent ein. Online-Händler Zalando kündigte deshalb Einsparungen in Höhe von 350 Millionen Euro an. Stärker nachgefragt seien laut bevh – online wie offline – Lebensmittel, Drogeriewaren, Medikamente und Baumarktsortimente. Weniger Bus und Bahn, dafür mehr Fußwege. So bewegte sich Deutschland laut einer ADAC-Umfrage durch die Krise. 26 Prozent der Befragten nutzen den Nahverkehr demnach gar nicht mehr. Oliver Wolff vom Verband der deutschen Verkehrsunternehmen spricht von einer noch dramatischeren Lage: Die Fahrgastzahlen im Nahverkehr seien um 80 bis 90 Prozent eingebrochen, sagte er der dpa. Es würden kaum mehr Einzelfahrscheine und Monatskarten verkauft. Die machten normalerweise rund die Hälfte aller Einnahmen aus. 25 Prozent der vom ADAC Befragten geben an, mehr zu Fuß zu gehen und das auch nach der Corona-Krise beibehalten zu wollen (27 Prozent). Ein Großteil derer, die vor Corona mit der Bahn zur Arbeit fuhren, wollen das danach wieder tun. Allerdings planen auch 16 Prozent, dann mehr mit dem Auto zu fahren. Wir werden sehen. br