PARKEN: Kein einziges positives Wort der Bürger

Die Grundidee war einfach: Mach das Parken teuer und verordne kurze Höchstdauern, und dann werden Dauerparker verschwinden, Plätze frei und Zufriedenheit einkehren. Sehr gründlich ging es ans Projekt. Im Ergebnis machen die Honnefer Menschen heute ganz andere Prinzipien aus: Erhebe neue Gebühren, sei sehr unrealistisch und stifte Schaden. Nüchtern betrachtet besitzt das Großvorhaben kaum noch eine Chance auf Akzeptanz. Zu viele Fehler und Ungereimtheiten, zu vehemente Desorientierung haben die Suppe versalzen. Die geplanten Mechanismen greifen nicht, neue Behinderungen dafür heftig. Die Zeit wird die Wunden nicht heilen – zu unausgegoren scheint der Grundansatz.

Jedenfalls reicht auch Fantasie kaum zur Vorstellung, dass je eine kommunale Maßnahme einheitlicheres Echo bei der Bevölkerung finden könnte. An drei Tagen in der Stadt, nach zahlreichen Interviews dort und weiteren telefonischen Befragungen ist festzuhalten: Es kam kein einziges positives Wort. Nicht eines. Der Bewertungskanon lässt sich auf Adjektive herunterbrechen. Dabei ist er derart umfassend, dass sich als Einordnung gerade einmal die alphabetische Reihenfolge empfiehlt. Vielfach wurden genannt: abschreckend, falsch, furchtbar, schlimm. Mehrfachbenennungen sammelten: belastend, fehlerhaft, katastrophal, ruinös, schädlich, töricht. Doppelt genannt: schadend, wirklichkeitsfremd, widersprüchlich. Zahlreiche individuellere Wertungen kommen hinzu – und sprechen in ihrer Vielfalt dennoch eine gemeinsame Sprache.

Als erklärender Einwand mag gelten: Die Einführung von Parkgebühren hat einer Bürgerschaft noch nie gefallen. Dafür allerdings sind die Kommentare und Meinungen zu detailliert, zu präzise. Und zu erstaunlich weiten Teilen auch zu analytisch. Wobei es an Emotionalität nicht fehlt.

Norbert Eimermacher verkauft über Zeitschriften Informationen – und erhält selbst viele. Er nennt das Konzept kontraproduktiv, sieht für Einwohner eine Katastrophe. Wie Andere versteht er nicht, dass auch Hausbesitzer, die ihre (!) Stellplätze mit Geld ablösten und zudem Steuern zahlen, ein wiederholtes Mal belastet werden. Nicht von der Hand zu weisen sein Fazit: „Bad Honnef ist nicht Köln. Niemand ist bereit, das Einkaufen selbst hier zu bezahlen.“ Rainer Wolf fährt zigmal um den Block. „Es macht keinen Spaß mehr.“ Richtig schlimm sei es für den Einzelhandel. „So treiben wir potentielle Kunden aus der Stadt.“ Thomas Osterbrink resümiert: „Sicherlich ist das gut für die Stadtkasse, aber ganz schlecht für Anwohner und Besucher der Stadt.“ Er wohnt in der Bernhard-Klein-Straße und sieht sich „dort umzingelt von Parkautomaten“. Allerdings findet er selten einen Parkplatz, denn vor allem mittags und abends ist alles besetzt. Wenn schon die Ortskundigen nichts finden, was machen dann die Gäste?

Dazu argumentiert Michael Holmer Gerdes, Direktor der beiden Hotels Avendi und Seminaris, differenziert und analytisch. Den Trend zur Parkraumbewirtschaftung sieht er als kaum aufzuhaltenden. Parkraum sei mittlerweile eben „ein hohes wirtschaftliches Gut“. In Bad Honnef wäre das Konzept vielleicht „sehr rigoros“ sowie „nicht gerade kundenfreundlich“ eingeführt worden; es beruhe weitgehend auf Verdrängung. Die nächstgelegene wirklich ergiebige Parkressource läge am Ufer nahe der Insel hinter der Endhaltestelle. Seine Hotels hätten unlängst Schranken errichtet und würden ihre Stellflächen bereits bewirtschaften. Allerdings: Avendi und Seminaris bieten dort etwas an, was tatsächlich existiert. Wer dorthin fährt, weiß, dass er bezahlen muss. Der Gast weiß aber auch, dass er dort einen Parkplatz findet. Immer.

Gastro-Kollege Jürgen Schwalb von den Restaurants Altes Standesamt und Altes Rathaus am Markt spitzt stärker zu. Er sieht Verantwortliche, die etwas zu gestalten versuchen, wovon sie nichts verstehen. Er begreift nicht, warum die Gemeinde ihre Flächen z.B. in der Rathaustiefgarage oder am Kursaal nicht selbst vermarktet, sondern verpachtet. Ähnlich rigoros sehen es zahlreiche Gefragte, die weniger in der Öffentlichkeit stehen. Mittlerweile entwickeln sich eigenständige Begrifflichkeiten, wächst ein spezifisches Bad Honnefer Gebühren-Idiom. So heißen Knöllchenschreiber heute „Schotterscheriffs“…

Bei den lokalen Parteien ist es erstaunlich still. Sie scheinen abzuwarten und zu beobachten, wie sich das Drama entwickelt. Ein wenig Scham, dass man sich im Rat derart habe überrollen lassen, ist hier und da herauszuhören. Bemerkenswert die Kritik der Grünen als einer Partei, die normalerweise Parkraumwirtschaft befürwortet. Es bestünde ein schwaches Konzept ohne Steuerfunktion. Der verlautbarte Plan, so die Autofrequenz in der City zu erhöhen, sei unrealistisch und an sich bereits äußerst unökologisch; er entstamme einer überkommenen Logik aus der Mottenkiste planerischer Frühhistorie des letzten Jahrhunderts. Gemeinsam bedauert das Gros der Kommunalpolitik, dass die, die als Anwohner den Parkplatz nahe der eigenen Wohnung wirklich brauchen, zwangsweise in äußere Bezirke verdrängt werden. Um dann dort den Druck zu erhöhen und wieder zu verdrängen. Dass dann noch ernsthaft überlegt wird, einem kircheneigenen Investor die Errichtung eines Gemeindezentrums samt integrierten Wohnungen ohne (!) eigene Tiefgarage zu erlauben – das traut sich Niemand zu verstehen oder gar zu vertreten.

In der Sache ist wohl noch nicht aller Tage Abend. Der Rat könnte korrigieren, um den Bürgerinnen und Bürgern zuvorzukommen. Oder? hb