ERINNERUNGEN: Als Hermann Joseph Nolden vor 33 Jahren auf die Insel kam   Teil1

Rückblick: Vor 33 Jahren war Werner Osterbrink Bürgermeister der Stadt Bad Honnef und Aufsichtsrat der BHAG. “Wir haben damals einen neuen Pächter für das Inselcafé gesucht, es haben sich einige gestandene Gastronomen nicht nur aus Bad Honnef, sondern aus der gesamten Region, beworben. Ihre Konzepte haben uns nicht wirklich überzeugt. Aber da war noch ein selbstbewusster junger Mann, ein Psychologie-Student, der uns mit seinem Konzept begeistert hat. Ich glaube, die Entscheidung für ihn fiel einstimmig aus“.

Der junge Mann, ein gebürtiger Honnefer, studierte seinerzeit in Bonn und verdiente sich sein Lebensunterhalt als Allrounder in Bonner Kultkneipen. Dabei war er schon damals absolut flexibel: Mal als DJ, mal als Koch, mal als Party-Organisator. Eben Hermann Josef Nolden. „Mein Konzept hieß: mal etwas anderes wagen. Nicht nur Kaffee, sondern Cappuccino. Nicht nur Bier, sondern auch Long-Drinks, oder Wein aus der Region. Mein Ziel war, auch junge Leute anzusprechen“. Das gelang. Bis dahin war das Café nur Nachmittags geöffnet. Familien kamen vorbei, es gab Kaffee und Kuchen, oder ein Eis für die Kinder.

Um 18 Uhr war Schluss. Nicht so bei Nolden. Wenn die Familien weg waren holte er die Boxen raus, hängte sie in die Dachrinne, und die Party begann. Kaum ein Honnefer konnte sich damals der Faszination Inselcafé entziehen. Party am Rheinufer! Schnell wurde das Café mit der Südterrasse zu klein für den Ansturm. So entstand Schritt für Schritt einer der beliebtesten Biergärten zwischen Köln und Koblenz. Landrat Frithjof Kühn lobte die Inselgastronomie als „eines der touristischen Highlights in der Region“. Der Biergarten wuchs. Einige Politiker waren völlig entsetzt. Aber der Erfolg gab Nolden recht. Die Besucherscharen machten die Politik mundtot. „Damals haben Teile der Politik Mut bewiesen. Ich habe drei große Hochwasser überlebt, und vier gewaltige Attacken aus politischen Kreisen“. Es blieb nicht bei Kaffee, Kuchen, Bier oder Party.

Sterneköche heuerten bei Nolden an und so wurde das Café über die Jahre auch zu einem Anziehungspunkt der Honnefer Gesellschaft. Hochzeiten, Geburtstage, Brunch, Jazz-Festivals, Kinder-und Inselfeste, Lesungen-alles war möglich, wurde möglich. Oft unter massivem Protest der Naturschützer. Brutzeiten mussten berücksichtigt werden, „die Menschenmassen dürfen die Insel nicht zertrampeln“. Aber: Es gelang immer, öffentliches und privates Interesse in Einklang zu bringen. Nolden: „Ich bin oft an alle möglichen oder unmöglichen Grenzen gegangen“.

Osterbrink: „Wir mussten schon hin und wieder alle Augen zudrücken“. Zu lautstarkem Protest im Rat kam es dann vor 28 Jahren. Nolden verstoße mit der Ausweitung seines Biergartens gegen alle Regeln des Naturschutzes auf der Insel. Die Sinnhaftigkeit eines Gastronomiebetriebes dort wurde öffentlich in Frage gestellt. Doch die damalige Verwaltung billigte Nolden´s Erweiterungsdrang. Selbst  der damalige „Kur-und Verkehrsverein“ begrüßte die Aktivitäten auf der Insel. „Die Rheininsel Grafenwerth ist eine besondere Attraktion der Stadt Bad Honnef, sie ist wohl die einzige Insel im Rhein, die eine ideale Kulisse für Erholung und kulturelle Veranstaltungen bietet“.

Aber: Zwei Ratsmitglieder machten per Leserbriefen mächtig Druck in der Honnefer Volkszeitung (HVZ). Müll und parkende Autos verschandelten die Insel. Mitten im Hochsommer 1990 sah sich die Verwaltung gezwungen, den Biergarten schließen zu lassen. Die Empörung der mittlerweile riesigen Gästeschar war groß. Die HVZ schrieb: „Endlich hat es in Bad Honnef jemand geschafft, eine gastronomische Attraktion auf die Beine zu stellen, endlich hat jemand eine Initiative ergriffen, an der wir uns alle erfreut haben. Und dann wird so etwas kaputt geschlagen. Es ist nicht zu fassen“.

Die Honnefer CDU nahm diese Entwicklung „mit Unverständnis und Verärgerung“ zur Kenntnis: „Der attraktive Betrieb auf der Insel müsse weiter geführt werden“. Da der Druck der Bürger immer größer wurde, sah sich der Rat der Stadt Bad Honnef gezwungen, „Die Kuh vom Eis zu holen“. So formulierte es Ratsmitglied Wally Feiden. Die FDP bedauerte sehr, „dass der Pächter für Dinge auf der Insel öffentlich verantwortlich gemacht werde, für die er nichts kann“. Die Geschichte zeigt: Es wurde damals eine Lösung gefunden. bö