Vorzeigeprojekt Park Reitersdorf

  Dass jedes Interesse am Objekt gerechtfertigt scheint, ist begründet und sicher: Da wird ein Adliger aus der Löwenburg vertrieben und sucht eine neue Wohnstadt. Ohne etwas Passendes in Sicht entschließt er sich zum Neubau. Den setzt er in das damals schon mindestens 400 Jahre alte Reitersdorf, das zeitgleich auch die neue Kirche  St. Göddert (siehe „An St. Göddert“) erhält. Gebaut wird ab 1270 im Stil eines mediterranen Kastells, gerade mal 20 Jahre nach Fertigstellung des Castel del Monte – der weltberühmten Staufer-Kaiserburg in Apulien.

Burg Reitersdorf fällt keinesfalls unscheinbar aus: 25 Meter Mauer im Quadrat, vier Ecktürme. ein rechteckiger Wohnturm als Zentrum, vermutlich eine Vorburg, drumherum ein ausladender Ring aus Palisaden. Graf Johann von Heinsberg hätte wohl besser kleinere Brötchen backen sollen. Denn seine so exponierte Burg motivierte den Kölner Erzbischof schon 1317 kurz nach Johanns Tod, die Anlage zu schleifen. Damals bereits war im kriegerischen Durcheinander ein Otto beteiligt; als Konkurrent der Staufer profilierte sich Otto IV. im deutschen Thronkrieg, weshalb die ihn unterstützenden Grafen von Sayn keine Ruhe gaben im Rheinland.

Kaum 600 Jahre später interessieren sich die Honneferinnen und Honnefer wieder für die Burg. Respektive für die Reste der Anlage. Beim regionalen Burgen-Überangebot hat es schon etwas gedauert, bis 2009 die Parole zur Restaurierung der Grundmauern ausgegeben wurde. Allerdings geht es diesmal eher um Anderes. Um mehr.

Mit Annette Stegger, Hartmut Witte und Jörg Heinzelmann ergreifen drei in der SPD-Kommunalpolitik Ambitionierte die Initiative. So überzeugend, dass noch schneller als bei den Initiativen „Wirtschaf für Bad Honnef“ (zunächst Bürgerblock) und „Kulturtreff“ (zunächst SPD plus Grüne) der politische Stallgeruch dem heutigen überparteilichen Charakter Platz machte. Inzwischen spenden etwa 50 Bürgerinnen und Bürger für das Projekt, 25 bis 30 Menschen arbeiten regelmäßig vor Ort. „Sie engagieren sich, sie legen wirklich Hand an“ – sagt Jörg Heinzelmann.   

Und wie sie das tun. Sie reparierten die Bastei, bauten die Pergola neu auf, sicherten Trockenmauern. Der Teich ist entsumpft, sein nördliches Ufer renaturiert, Brunnen und Kaskaden samt Pumpen funktionieren wieder. Neuanpflanzungen von Gingko bis Mammutbaum vervollständigen den Bestand, Wildblumenwiese und Insektenhotel kommen als innovative Parkausstattung hinzu. Ein „Mehrgenerationen-Bewegungsplatz“ wurde möglich, weil das Bündnis für Familie (durchaus hochwertige) Geräte aufstellte und die Spielecke bestückte.

Die Stadt unterstützte bei Strom- und Abwasseranschluss, Frischwasser wird von Nachbarn beigesteuert. So können wieder Feste gefeiert werden. Und die kann der Freundeskreis gut brauchen, weil der Erlös vom „Diner en blanc“ sowie auch der vom „Jazz im Park“ für den Parkausbau gespendet werden. Auch das Versorgungsunternehmen und die Stadtsparkasse halfen schon mal. Ex-Bürgermeisterin Wally Feiden, die die Wiederbelebung des Reiterdorfer Parks von Anfang an konsequent unterstützte, ließ das Spendenkonto im Rathaus verwalten.

Die Ideen gehen offensichtlich nicht aus. Der Spielplatz soll erweitert werden, weitere Nistmöglichkeiten für Vögel sind geplant. Ein Pflegekonzept zur Entwicklung artenreicher Pflanzengesellschaften fordert komplexe Überlegung und das Zusammentragen von Kompetenzen. Über Allem wartet das große Zukunftsprojekt: die Sanierung der Burgruine.

Hier hat sich ein gut kooperierendes Team gebildet. In überraschend kurzer Zeit. „Eine ganze Reihe von Bürgerinnen und Bürgern fühlt sich heute für diesen Park verantwortlich.“ Jörg Heinzelmann bleibt bescheiden. Tatsächlich jedoch beschreibt er eine Großtat bürgerlichen Engagements in Bad Honnef. Von dem die Stadt erheblich profitiert. Der nördliche Teil der grünen Spange aus den Zeiten des Kurbetriebs – vor gar nicht langer Zeit vor allem lokales Dealerzentrum – fand gleich diverse Nutzungen.

Wenn den Stadtgarten als direkten Nachbarn die neue Lust am Wohnungsbau verschont, dann bleibt die Spange intakt und lässt den Raum zur Vernetzung verschiedener Aktivitäten sowie Räume. Das wachgeküsste Reitersdorf, das unzweifelhaft Bad Honnefs erste Spur in der Geschichte darstellt, ist erst der Anfang. Referenz für Stadtentwicklung in Qualität. Keineswegs schläfrig oder Hort von Ablehnung durch Nein-Sager. Im Gegenteil dynamisch und virulent.

Neben den Stadtfesten von Centrum e.V. und der Insel Grafenwert bietet der Reitersdorfer Park heute schon das größte Potenzial, Auswärtige in die Stadt zu holen. Das Kur-Areal samt Kursaal muss sich bemühen, da mitzukommen. Der Ziepchensplatz, außerhalb seiner Veranstaltungshappenings als Parkraum weit unter Wert geschlagen, blockiert sich durch seine Blechberge zwischen pittoreskem Fachwerk bisher selbst. Und wartet auf seinen planerischen Befreiungsschlag. Allerdings feiert an der Villa Schaafffhausen ein weiterer Park demnächst Auferstehung.

Die Weinberge gewinnen durch Wiedereröffnung wichtiger Wegstrecke ihre Anziehungskraft für überragende Spaziergänge zurück. Es kann sich also doch so entwickeln, dass das Adenauerhaus als bisher zu isoliert dastehender Tourismusmagnet des Honnefer Nordens demnächst Einbindung findet in ein Netz attraktiver Anlaufstellen. Chance auf überzeugende Stadtentwicklung. Chance für verbürgte Lebensqualität, auch für Tourismus, wirtschaftlichen Erfolg und Umsatz. Dank bürgerlichen Engagements als Türöffner. Lohnend für jeden Masterplan – auch für ein ausführlicheres Kapitel in ISEK. bh