Letzten Sonntag feierten wir den 80. Geburtstag von Schwiegermutter II. Wir hatten in die Räumlichkeiten einer edlen Burg eingeladen und hofften auf ein erlesenes Menü. Die Feier war fröhlich und gelungen. Das Menü weder noch. Im vegetarischen Antipasti-Teller versteckten sich ein paar fleischige Überraschungen. Und die Steinpilzravioli, die alleine schon ein geschmackliches Ereignis sein könnten, waren unter deftigem Wintergemüse verschüttet. Eine undefinierbare und fade Sauce ummantelte das Einerlei.

Nun, gut – dem Fest hat das nicht geschadet – nur dem Geschmack. Heute musste ich plötzlich an das Restaurant denken, welches wir in unserer Kindheit geliebt haben. Es hieß Speisewagen. Der Name sagt alles: Öffnete man die Eingangstür, empfing einen ein schlauchförmiger Raum, an dessen Seiten hölzerne Eisenbahn-Bänke (2. Klasse!) standen. Immer zwei gegenüber und dazwischen ein Tisch.

Wie im Speisewagen eines alten Zuges. Die Dekoration des Lokals bestand aus vielerlei Eisenbahn-Accessoires: Uniformen, Mützen und Trillerpfeifen von Schaffnern und Lokführern, Bahnhofsschildern, Andreaskreuzen und ähnlichen Bahn-Relikten. Wenn das fertige Gericht aus der Durchreiche der Küche geschoben wurde, erklang ein Warnsignal, wie man es früher immer an den Bahnübergängen vernahm, wenn sich ein Zug näherte. Der Kellner kam, nahm das Gericht und servierte es.

Wir Kinder liebten das alles! Auch die Speisen und davon am meisten Wiener Schnitzel mit Fritten. Kulinarisch nicht gerade die höchste Kategorie, aber lecker. Leider war für dieses Restaurant eines Tages der Zug abgefahren. Ein Grieche trat an seine Stelle. Eigentlich auch gut. Wir waren älter und schätzen den Gratis-Ouzo, den man sowohl vor als auch nach dem Essen bekam. Und ein bisschen liegt mir jetzt noch der erstmalige Geschmack von Tsatsiki auf der Zunge. Franziska Lachnit (2018)