Unsere Freundin, wie immer mit Cowboyhut auf dem Kopf, zahlreichen, bunten Bändern um den Hals, einigen Plastiktüten und mindestens einer Dose Bier im Gepäck. So saß sie mal wieder auf der Treppe vor unserem Haus. „Puh, ist das anstrengend“ stöhnte sie. „Bin den ganzen Weg gelaufen!“ „Aber dafür bist du noch recht trocken … bei dem Wetter!“ – erwiderte ich.

Der ganze Tag war gewitterig. Ein heftiger Regenguss jagte den nächsten. Ich hatte gerade eine der seltenen Regenpausen genutzt, um Sperrmüll an den Straßenrand zu stellen, und schon tröpfelte es wieder. „Ich muss ja den ganzen Weg laufen bis zur Tankstelle“ – und dabei hob sie die Bierdose. „Der Netto hat noch drei Wochen geschlossen.“ Einigermaßen, aber ohne wirkliche Betroffenheit kann ich ihr Leid nachempfinden. „Freundin“ ruft sie.

„Ich weiß ja gar nicht, ob ich dich das fragen darf …“ „Frag ruhig!“ „Hast du ein Plüschtier für mich? Ich sammle die! Ich sammle die wirklich! Guck mal hier, wenn du willst! Das hab‘ ich aus dem Billigladen (Anm. -> Caritas). Die schenken mir ab und zu eines.“ Ich schaute und musste lächeln: „Ja, wir haben bestimmt ein Plüschtier für dich. Ich muss mal gucken, aber heute habe ich leider keine Zeit, denn ich bekomme gleich Besuch …“

„Oh Schade.“ „Wir sehen uns doch regelmäßig und dann kann ich’s dir geben!“ „Ja, aber heute bekommst Du Besuch!“ „ Genau! Von meinen Eltern.“ „Oh, wie schön! Dann grüß sie mal unbekannter Weise!“ „Ja! Das werde ich sehr gerne machen.“ Und das tat ich. Aber ein Plüschtier für unsere Freundin habe ich leider noch nicht gefunden. Während ich auf meine Eltern wartete, öffnete der Himmel seine Schleusen. Die Freundin suchte Schutz unter dem Vordach der Schule und fand dort ihre nächste Gesprächspartnerin. Franziska Lachnit (2017)