HIT-Abenteuer-Markt

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Wer in diesen Tagen „nur mal schnell beim HIT `was besorgen will“, wird überrascht sein über das, was ihm dann widerfährt: Der Ahnungslose wundert sich vielleicht nicht sofort beim Eintreten, wenn ihm auffällt, dass der Zeitschriftenladen verbarrikadiert ist. Und die Obst- und Gemüseabteilung erscheint nicht verdächtig.

Erst als man sich eine Packung Cornflakes aus dem Regal schnappen will und stattdessen Toastbrot erwischt, erschrickt man. Was ist denn hier los? Nichts ist mehr so, wie es mal war – kein Artikel mehr dort, wo er hingehört! Jetzt beginnt das Abenteuer: Ah! Da ist Müsli. Dann können meine Cornflakes  nicht weit sein. Falsch gedacht. Auf Nachfrage bei einer freundlichen Mitarbeiterin erfährt man, dass die Cornflakes irgendwo sind – vielleicht.

Ich finde sie nicht. Naja, egal. Und begebe mich auf die Suche nach Espresso, entdecke schnell das neue Kaffeeregal. Leider wird das erst bestückt, so dass sich große Lücken vor mir auftun. Espresso gibt’s nicht. Naja, egal. Dann aber habe ich Glück und treffe völlig unverhofft auf meine bevorzugte Nudelmarke – allerdings nur die Sorten, die ich nicht bevorzuge. Naja, egal.

Auf der Suche nach dem Käse, den meine Kinder so mögen, stoße ich dann auf ein provisorisches Regal vollgepackt mit den Lieblingsnudeln. Hurra! Angespornt von diesem Erfolg suche ich weiter nach den Artikeln, die ich „mal schnell besorgen“ wollte: Eier sind am gewohnten Platz – sehr gut. Beinahe hätte ich den Käse vergessen. Ich finde ihn nicht und bestelle an der Käsetheke: „Sechs Scheiben Beemster, bitte“ rufe ich laut über die Theke. Nebenan arbeitet ein Handwerker mit einer Bohrmaschine. „Sehr gerne“ ruft die Bedienung. „Ich kann aber nicht schneiden Wir haben gerade keinen Strom.“

Oh!? Naja, egal. Heute gibt es also keinen Beemster. Und leise höre ich schon das enttäuschte Maulen meiner Kinder… Auf der Jagd – wie es mir mittlerweile erscheint – nach Milch gerate ich an sehr edle Kühlschrankvorrichtungen. Frage mich allerdings, wie man diese öffnet – so ohne Griff? „Automatic“ werde ich durch einen Hinweis auf der Tür belehrt. Hightech pur! – und so hygienisch. Falls nicht doch alle Kunden versuchen, die Türen durch Handauflegen zu bewegen.

Und genau das kann ich im Folgenden beobachten. Jetzt habe ich genug von diesem Abenteuer, steuere auf die Kassen zu, die zumindest noch da sind, wo sie immer waren. Und zu meiner großen Erleichterung sitzen dort dieselben Kassiererinnen wie eh und je. Ein netter Plausch über mein soeben erlebtes Abenteuer, und ich verlasse vergnügt meinen Supermarkt. Franziska Lachnit (2017)