Foto: Die Recken unseres Vertrauens

Meine sehr verehrten Damen und Herren, 555 Wochen, das ist nicht wirklich verdampt lang her. Oder doch? Ich mache das mal am iPhone fest. Das gab es damals noch nicht. Es wurde erahnt. Heute ist ein Leben ohne Smartphone kaum vorstellbar. Also doch. Die Welt hat sich in den vergangenen 555 Wochen brutal schnell gedreht.

Sie hat sich komplett verändert. Vor knapp 11 Jahren hieß meine Kommunikationsbörse Vierkotten. Heute heißt sie Facebook. Wann bekomme ich bei Facebook ein Kölsch? Quasi meine „Running Gags“ waren jahrelang die „Recken meines Vertrauens“  an der „Theke meines Vertrauens“. Die Thekenkultur gibt´s  wohl auch nur noch bei Facebook, Twitter, Google und Co.

Noch völlig ohne die neuen Medien kam es 2004, also noch zu HSZ-Zeiten, zu einem politischen Orkan in der Stadt. Wir erinnern uns: „Seit dem 14. Oktober 2004 ist nichts mehr wie es immer war. Schon am 26. September hatte sich Ungewöhnliches ereignet. Bei den NRW-Kommunalwahlen hatte die CDU, die seit 1945 die Mehrheit im Rat und alle Bürgermeister gestellt hat, zwar wieder die meisten Stimmen und – zusammen mit ihrem Ableger, dem „Bürgerblock“, und der FDP – erneut die Mehrheit im Stadtparlament errungen. Aber CDU-Bürgermeister- Kandidat Peter Brassel – fünf Jahre lang hatte er die Stadt regiert – schaffte nicht die standesgemäße absolute Mehrheit.

Ein Vorsprung von fast zehn Prozent auf seine sozialdemokratische Herausforderin Wally Feiden reichte nicht aus. Eine Stichwahl war angesagt“. Das Ergebnis ist bekannt. Und vor drei Jahren kam es zum nächsten Orkan rund um das Rathaus. Der parteilose Kandidat Otto Neuhoff nahm dort den Chefsessel ein. Wir leben schon in einer völlig veränderten Welt. Und de Bläck Fööss haben recht, wenn sie singen: “Wie soll dat nur wigger jon, wat bliev dann hück noch ston, die Hüsjer un Jasse die Stündcher beim Klaafe es dat vorbei? En d’r Weetschaff op d’r Eck ston die Männer an d’r Thek’ die Fraulückcher setze beim Schwätzje zosamme es dat vorbei“? Vorbei, jawohl. Mir klaafe nit mieh, mir twittern.

Aber da kann der Herr Neuhoff ja auch nichts dafür. Immerhin geht der Bürgermeister nach jeder Ratssitzung mit seiner Verwaltung und willigen Ratsmitgliedern auf ein Kölsch eben an diese Theke unseres Vertrauens. So wird doch noch ein Stückchen Tradition aufrecht erhalten. Ich persönlich finde es sehr schade, dass neben der Thekenkultur auch die Gesprächskultur immer mehr den Bach runter geht. Früher begann jede Woche für mich mit einem ausführlichen Klaaf mit interessanten Mitmenschen dieser Stadt, bevorzugt beim Franco. Zum Gedankenaustausch.

Die Zeiten sind längst vorbei. Ich glaube Herrn Gerdes oder Herrn Zumsande, beispielsweise, habe ich in diesem Jahr überhaupt noch nicht gesehen. Oder ich hab´s vergessen. Diese Ausgabe (Druckausgabe) sieht ein wenig anders aus, als die vorherigen 554 Ausgaben. Wir geben Ihnen mächtig was zum lesen auf die Augen. Geschichten, die zwar 555 Wochen alt sind, aber irgendwie doch immer noch aktuell wirken. Viel Spass beim schmökern in der Vergangenheit. Liebe Leserinnen und Leser, liebe Sponsoren, vielen Dank für ihr Vertrauen und ihre Zuneigung. bö