Die Situation

Der erste Montag im neuen Jahr. Gestern ist der Bürgerentscheid gegen eine Beplanung des nördlichen Stadtgartens vom Volk abgelehnt, beziehungsweise quasi ignoriert worden. Nur ca. 6.000 (von ca. 20.000) Wahlberechtigte haben ihre Stimme abgegeben. Ich gehe durch die Stadt. Das „Kaminzimmer“ wird abgebaut. Organisator Jürgen Kutter ist sehr zufrieden: „Ich bin mehrfach gefragt worden, ob wir das nicht über das gesamte Jahr betreiben können, damit etwas mehr Bewegung in die Stadt kommt“.

Das Stichwort: „Bewegung“. Die fehlt in der Tat. Frequenzbringer wie das KSI (21.000 Übernachtungen/Jahr), der Uhlhof (10.000 Übernachtungen/Jahr) oder das Commundo- Hotel gehören längst der Vergangenheit an. Jürgen Kutter schaut sich um: „Es ist beängstigend, kaum ein Mensch in der Fußgängerzone oder am Marktplatz“. In allerbester Lage, „Am Markt“, gibt es erstmals Leerstand. Nach 41 Jahren schließt Gabriele Apicella-Bergner ihre Parfümerie. „Frohes neues Jahr“, sagt Kutter, der nicht nur in unserer Stadt Veranstaltungen organisiert, „es ist zwar nur ein schwacher Trost, aber in allen vergleichbaren Städten die ich kenne, ist die Situation nicht anders“.

Gilbert Köhne vom „Herzblut“ kommt vorbei. „Ich habe so viele gute Ideen, die ich auch umsetzen könnte, aber wenn keine Menschen mehr in die Innenstadt kommen, dann bringt mir das nichts. Es ist ja gut und schön, dass Verwaltung und Stadtmarketing langfristig planen, wenn sich die Situation allerdings nicht recht kurzfristig ändert, dann wird es in drei bis fünf Jahren hier kein Geschäft mehr geben“. Vertrackte Situation. Seniorenresidenzen boomen. Ältere Menschen gehen erfahrungsgemäß nicht mehr so wirklich oft einkaufen. Wohnraum für junge Menschen, die gerne shoppen, gibt es noch nicht. Und die alte Leier: Junge Menschen kaufen nur per Internet ein.

Das stimmt nur bedingt. Immerhin bietet die Stadt neuerdings auch eine Internet- Plattform an. Alles ist möglich. Neu denken! All zu oft hört man den tödlichen Satz: „Das klappt sowie so nicht“. Stichworte: „Einheitliche Öffnungszeiten. Belebung des Marktgeschehens im Sommer durch Veranstaltungen“. Im Internet geht „ausgehen“ nicht. Auf dem Marktplatz schon. Drei Großveranstaltungen gibt es in diesem Jahr. Mit verkaufsoffenem Wochenende.

Dazu die „Schlemmerabende“ und das weihnachtliche „Kaminzimmer“. Drei alteingesessene Innenstadtunternehmen werden in naher Zukunft schließen. Bisher ohne Nachfolger. Centrum e.V. und Stadtmarketing tüfteln. Aber: Ohne ein reibungsloses Zusammenspiel zwischen Politik,Verwaltung, Unternehmern und Immobilienbesitzern bleibt Zukunftsentwicklung schwer. Vor vielen Jahren hat Kreis-Wirtschaftsförderer Hermann Tengler in Bad Honnef gesagt: „Alle müssen an einem Strang ziehen“. Das gilt auch heute noch. bö