Eine Wasserratte bin ich wahrlich nicht. Festen Boden unter den Füßen zu haben, verleiht mir das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit. Wasser birgt für mich etwas Gefährliches. So sind meine schlimmsten Albträume von Wasser durchtränkt. Dennoch genieße ich den Anblick auf das wogende Meer, das Fließen des Flusses oder den spiegelnden See. Das erfüllt mich mit einer Mischung aus Entspannung und Abenteuerlust. Kein Wunder also, dass ich mich gerne auf einer Insel aufhalte.

Rings um mich ist Wasser, aber fester Boden ist unter mir. Ein paar wunderbare Inseln dieser Erde habe ich kennengelernt: La Gomera. Spröde begrüßt sie den Besucher, und erst nach ein paar Tagen freundeten wir uns an. – Madeira. Ein Wanderparadies von beeindruckender Vielfalt. Wasser ist allgegenwärtig. Leise plätschert es durch die Levada, tröpfelt von Felswänden und schießt als Wasserfall über die Straße. Am liebsten glotze ich dort auf’s Meer: Bleiern wabert der endlos erscheinende Atlantik im Sonnenuntergang und weckt Fernweh. In dieser Ferne treffe ich auf Hawaii.

Der Wunschtraum eines jeden. Und tatsächlich wunderschön! Zu schön – für meinen Geschmack. Also begebe ich mich in andere Gefilde meiner Sehnsucht: Vancouver Island. Gigantische Wälder. Nebel, der abends in die Bucht schleicht und sich morgens erhebt, um wieder den Blick auf Wasser, Berge und Himmel freizugeben. Hier möchte ich bleiben. Für immer. Aber dann erlebe ich Island: Wilde Schönheit!

Der Wind spielt ideenreich mit dem Wasser: Flüsse fließen plötzlich in die falsche Richtung, Wasserfälle streben aufwärts, und Wellen hüpfen über Land. Die Natur zeigt, was sie drauf hat. Mir gefällt das. Wieder zu Hause, suche ich erneut den Weg zum Wasser und lande auf unserer Insel. Kein Wasserfall, und der Rhein fließt niemals rückwärts, aber wunderschön ist es hier. Vielleicht am allerschönsten?! Franziska Lachnit (2019)