ERINNERUNG: Thomas Geutebrück, Gründer von Comicus, ist tot 

Am Anfang war kein Circus. Auch kein Comicus. Nur der Spaß an der Freud in Clownskostümen. 1964 lud Thomas Geutebrück zehn Freunde, Klassenkameraden, in sein Elternhaus ein, um Karneval zu feiern. Es war ein Karnevalssamstag. Und das war’s. Bis zum nächsten Jahr. Und Jahr für Jahr wurde weiter gefeiert. Zu dem Samstag kam der Sonntag hinzu, und irgendwann auch der Montag. Der Freundeskreis wuchs. Gute Partys sprechen sich halt schnell herum. Und die Partyzone im Elternhaus wurde zu klein. So wurden Ausweichsquartiere gesucht und gefunden: Leerstehende Häuser, die kurz vor dem Abriss standen. Geschichte. 30 Jahre später trafen sich die „Honnefer Clowns“ im Rhöndorfer „Böllchen“. Es sollte geschehen, was eigentlich undenkbar war. „Wir mussten aus versicherungstechnischen Gründen einen Verein gründen“, erinnerte sich der Gründervater Thomas Geutebrück, „und ich bin Präsident auf Lebenszeit“. Ein Verein mit Satzung.

Disziplin ist darin nicht erwähnt. Rückblick: Helmut Schmidt wollte auf die bunte Truppe aus Bad Honnef dennoch nicht verzichten, als er 1980 zum Kanzlerfest bat. Der Kölner Rosenmontagszug holte sich den Circus Comicus 1988 als Bonbon in die Domstadt und bezahlte sogar Sattelschlepper und Sonderzug. Auf dem Bundespresseball 1993 im feinen Maritim war der »Circus« Attraktion des Abends. Doch was der vornehme Hanseat Schmidt nicht missen wollte und selbst im noblen Maritim Ministerherzen aus dem Takt brachte, hielt der Bonner Festausschuss schlichtweg für chaotisch und unzumutbar. Und so wurden sich die Funktionäre 1995 einig: Eine Gruppe, die sich nicht benehmen kann, muss draußen bleiben, wenn sich Vaterstädtische und Stadtsoldaten in ihre Uniformen werfen, um rheinisches Brauchtum zu zelebrieren.

Seit Jahren hatte sich der Streit hochgeschaukelt. Denn wenn vorne der Comicus auf die Pauke haute und den Zug zum Stillstand brachte, froren hinten die Soldaten in ihren dünnen Uniformen, und die Pferde wurden unruhig. Man habe mehrmals versucht, mit dem Circus zu reden, habe viel Geduld gehabt, ohne dass sich etwas änderte. Es folgte der Rausschmiss. Eine Protestlawine verschüttete fast komplett die organisierten Bonner Karnevalisten. Alle waren sich einig: Der Circus muss wieder her. Denn auf diesen Eisbrecher konnte auch der Bonner Zug nicht verzichten. Soldaten mit Holzgewehren marschierten 1995 staats und steif, wo sonst der fliegende Clown des Circus Comicus seine Spielchen mit den Jecken am Straßenrand trieb.

Auch das vom Comicus erfundene Roll-Bützchen, bei dem die weiße Clownsfarbe komplett über das Gesicht des »Opfers« gerollt wurde und sich so die Zahl der Clowns im Fluge verdoppelte, fiel aus. Die Clowns fehlten. Ein Jahr später waren sie wieder dabei. Zurück zur Vereinsgründung. Georg Imming erfand den Namen und das Logo: Circus Comicus. Nicht nur in Bonn sorgten die Clowns für Furore. Auch in Bad Honnef. „Lange Jahre gab es hier keinen Karnevalszug. 1996 organisierten wir dann einen eigenen Zug mit 10 Wagen. Dazu hatten wir alle Kindergärten eingeladen.

Die Hälfte davon machten mit. Das war die Rückkehr des Straßenkarnevals in Bad Honnef. Gleich im nächsten Jahr waren die etablierten Karnevalsvereine auch wieder dabei“, erinnerte sich Imming, „und kurze Zeit später wurden wir Mitglied des Festkomitees Honnefer Karneval“. Partyadresse: Feuerschlösschen. Aber auch das wurde im Laufe der Jahre zu klein. Imming: „Nun kam nur noch das Kurhaus in Betracht. Direktor Gerdes war völlig entsetzt, aber wir konnten uns einigen. Auflage: der Kursaal musste komplett abgedeckt werden. Fenster, Wände, Fußboden“. Im Zug fliegen die Clowns, im Kurhaus wird mit ihnen auf Teufel komm raus gefeiert. Aus 10 Clowns wurden 600. Tendenz steigend. Schabernack, Konfetti, Seifenblasen und Musik bringen die Jecken heute wie gestern in Rage. Motto: „Jeder Mensch ist ein Clown, aber nicht jeder hat den Mut, das auch zu zeigen“. Dank Comicus Thomas Geutebrück änderte sich das ganz schnell. (Lesen Sie die Geschichte des Bad Honnefer Unternehmers Thomas Geutebrück auf diebadhonnefer.de). bö