Katrin wusste schon immer, wo’s lang geht. Als Älteste von sechs Kindern hatte sie schnell Verantwortung übernommen. Und Organisation. Die Mutter – früh geschieden, lebte ihr eigenes Leben. Katrin kümmerte sich um die Familie, das Frühstück und Mittagessen, die Hausaufgaben und irgendwelche Termine.

Sie war Managerin durch und durch – von jungen Jahren an. Sie war auch eine extrem gute Schülerin. Im Studium emanzipierte sie sich in einem Männermetier und verfolgte auf diesen Spuren ihren weiteren Lebensweg. Als erfolgreiche Unternehmerin trat sie ihren Kriegszug gegen die Männerwelt und die vermeintlich frauenfeindliche Gesellschaft an. Dabei war es nicht so, dass sie Männer hasste.

Nein, sie liebte sie! Aber die Männer liebten sie nicht. Zumindest nicht dauerhaft. Vielleicht lag das daran, dass Katrin stets den Fahrplan für das gemeinsame Leben in der Tasche hatte: „Keine Haustiere!“ – „Der Vorgarten  muss hergerichtet werden! – „Wir brauchen ein Kaminzimmer und einen Weinkeller!“ Möglicherweise hatten die Männer aber anderes erwartet. Sie wollten vielleicht nur Ruhe, ein gemütliches Heim und eine anschmiegsame Frau. Nicht mit Katrin! Sie war getrieben.

Auch wenn sie selbstverständlich gerne anschmiegsam war, so konnte sie sich mit nichts, was nur annähernd einem Stillstand glich, zufrieden geben. „Lass uns den Dachboden ausbauen!“ – „Wir sollten mal wieder eine Radtour unternehmen!“ – „Für heute Abend habe ich Theaterkarten besorgt!“ – „Morgen kommen Helen und Carsten zum Abendessen!“ – Das alles wäre für einen Mann nicht so dramatisch gewesen.

Das könnte er charmant abwimmeln. Aber Ehrgeiz und Tatendrang  trieben Katrin beinahe in ihren finanziellen und körperlichen Ruin. Das mochte sich niemand aus der Nähe anschauen. Kein Mann und kein Freund. Und so blieb sie immer wieder allein. Franziska Lachnit (2017)