Selbstverständlich steht der Kulturtreff hier „nur“ stellvertretend für die gesamte Kulturszene der Stadt. Für diese Hervorhebung hat er allerdings auch Einiges auf die Beine gestellt. Seit 1987 können sich die Honnefer darauf verlassen, dass ein paar Mal im Jahr – in etwa jedes Quartal – Konzerte im Weingut Broel stattfinden, die sich stets lohnen. Jazz, Folk, Rock, Soul und Verwandtes gibt es auf der Bühne, Verpflegung an der Theke.

Begonnen hatte die Reihe als Parteien-Initiative von SPD und Grünen. Auch wenn sich beide Parteien immer noch „irgendwie“ verantwortlich fühlen, ist der Kulturtreff längst zu einer Initiative engagierter Bürger und vor allem Bürgerinnen geworden. Im Grunde genommen war dies bereits zu Beginn so, als Lucia Olbrück und Wolfgang Kikillus mit persönlichem Einsatz dafür sorgten, dass sich die Konzertreihe etablierte. Doch ebenso von Anfang an wurden Andere miteinbezogen. So brachten und bringen noch heute Engagierte Kuchen oder Salate mit als Basis des Speisenangebots, und der Winzer Karl-Heinz Broel stellt noch immer die Veranstaltungsräume und sorgt für Getränke.

Heute sichert Carmen Heinemann den Kulturtreff. Sie übernahm „vor 12  bis 15 Jahren, niemand weiß das so genau.“ Kasse und Essensstand teilt sie sich auf mit ihrem Partner Edwin Schönenborn.  Nach ihrer Zeit als Ratsfrau machte Carmen Heinemann weiter. Sie verlegte die Konzerte vom Sonntagmorgen auf den Freitagabend (stets um 20 Uhr), was den Veranstaltungen gut tat. „Es kommen immer zwischen 100 und 150 Leute.“ Karl-Heinz Broel spricht sogar von einem „Selbstläufer“ – und weiß wie alle Anderen, dass dies nur gilt, solange es engagierte Motoren gibt.

Leben und Wirken in einem solchen Engagement werden nicht langweilig. „Vor 19 Uhr weiß ich nie, was die Leute mitbringen.“ Wer spendet einen Salat, wer etwas Anderes? Inzwischen hält sie stets einen Grundstock aus Würstchen oder sonstigen weiterverwertbaren Produkten an. Ein wenig mehr Sicherheit und Verbindlichkeit würden ihr gefallen. Obwohl: „Seit vier, fünf Jahren tragen die Konzerte sich finanziell selbst.“

Carmen Heinemann macht auch noch den (ebenfalls ehrenamtlichen) Job als Koordinatorin des Kulturforums Bad Honnef. Sie tut dies bereits im zweiten Jahr, arbeitet mit den „Managern“ der Honnefer Kulturszene zusammen. Zum Beispiel mit Jutta Mensing vom Verein FiF – Folk im Feuerschlößchen, der seit 1998 aus Bad Honnef einen beachteten Hotspot in der europäischen Welt des Folk machte. Oder mit Helge Kirscht, der in seiner Seven-Mountains-Music-Night alljährlich zig Events zu einem musikalischen Urknall des Siebengebirges bündelt. Und mittlerweile einen Großteil der hiesigen Wirtschaft zum ganz beachtlichen Sponsoren-Pool knüpfen konnte.

Offensichtlich entwickelt sich Kultur über Netzwerke gut. In solchen Prozessen entstehen dann neue Netzwerke und verdichten sich. Wie immer sind die Knoten wichtiger als virtuelle Maschen; es hängt an engagierten Menschen sowie daran, dass diese Unterstützung erfahren. Carmen Heinemann, in der Bad Honnefer Verwaltung gut mit Herrn Grünwald zusammenarbeitend, streckt längst ihre Fühler nach Königswinter aus. Von dieser Einbindung verspricht sie sich, dass beide Städte des Siebengebirges voneinander profitieren. Auf diese Weise leisten Kultur und deren Szene etwas, um die oft geforderte interkommunale Kooperation tatsächlich nach vorn zu bringen. Womöglich in eine Zukunft, in der eine Stadt Siebengebirge – egal ob offiziell ausgerufen oder virtuell – lokales und regionales Marketing kräftig befördert. bh