Lieblingsnachbar

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„Lieblingskram“ – „Lieblingsteile“ – „Lieblingsmensch“ So viele Lieblinge! Und, ganz im Trend, habe ich einen Lieblingsnachbarn: „Caritas Mann“ nannte ich ihn anfangs, weil ich seinen wirklichen Namen nicht wusste. Was ich wusste, war, dass er sich tatkräftig bei Kirche und eben der Caritas engagiert und sich fürsorglich um das Blumenbeet vor der Marienstatue an der Ecke Bergstraße – Kreuzweidenstraße kümmert.

Fast jeden Morgen begegneten wir uns in der Innenstadt. Beide auf dem Dienst-Weg zur Sparkasse, zur Post oder sonst wohin. Immer fiel ein freundliches oder auch keckes Wort. Und immer hinterließ die Begegnung ein verschmitztes Lächeln auf meinem Gesicht. Mein Tag war gerettet! So wurde aus „Caritas-Mann“ sehr schnell mein „Lieblingsnachbar“.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Wortwechsel länger und sehr interessant: Zuerst kleine Geschichten aus der Nachbarschaft. Dann welche aus Europa: Korbschlittenfahrt auf Madeira, überfüllte Schlafsäle auf dem Jakobsweg. Dann die Abenteuer aus der weiten Welt: Kameljagd in Australien, Schlangenattacke dort im Outback, Kupferminen in Malaysia und ähnlich Spannendes.

Ich staune und kann nicht genug davon hören. „Erzähl mir was!“ möchte ich ihn eigentlich immerzu auffordern. Der Caritas-Mann, also mein Lieblingsnachbar hat inzwischen einen wirklichen Namen für mich und ist ein Freund geworden.

Die vertrauensvollen Gespräche auf der Straße möchte ich jedes Mal ausdehnen. Zum Austausch von Lebenserfahrungen (wobei er natürlich deutlich mehr anzubieten hat als ich!) und zum Austausch der Lebensträume, der erfüllten und der unerfüllten. Ein Austausch der Lieblingsthemen!

„Ich habe eine Geschichte über dich geschrieben. Die solltest du vorab lesen!“ – „Ach was! ich lass mich überraschen.“ Franziska Lachnit (2016)