Interview mit Bürgermeister Otto Neuhoff zur Innenstadtentwicklung
„Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungskonzepte“

HWZ: Sie haben die Ergebnisse des Wettbewerbs für die Entwicklung der Innenstadt und die Planung der neuen Verbindung zwischen Saynschen Hof und Hauptstraße zusammen vorgestellt, warum?

BM: Weil hier im Zusammenspiel der beiden Projekte deutlich wird, welche neue Qualität für das Zentrum von Bad Honnef hier entstehen kann. Die Verbindung von öffentlichen und privaten Investitionen schafft die Basis für eine zukunftsfähige Innenstadt hier in Bad Honnef mit Einzelhandel und mit Gastronomie. Das ist deutlich mehr als jede der Maßnahmen für sich jemals bewirken könnte.

HWZ: Worin besteht der Nutzen für die Innenstadt bzw. das Zentrum von Bad Honnef?

BM: Zum einen bedeuten natürlich neue Bewohner für die Innenstadt zusätzliche Kunden. Zum anderen schaffen attraktive Laden- bzw. Gewerbeflächen mit entsprechenden Parkmöglichkeiten neue Angebote, die Kunden anlocken. Das alles macht in der Verbindung mit dem „Face-Lifting“ durch die Umsetzung der Wettbewerbsergebnisse den Besuch in der Stadt deutlich attraktiver. Darüber hinaus drückt sich darin auch das Vertrauen in unsere wunderbare Heimatstadt aus. Die Ausgangsvoraussetzungen für eine positive Entwicklung sind da. Hier geht was, wir müssen nicht den schleichenden Rückgang von Besuchern einfach hinnehmen, sondern wir können was tun.

HWZ: Die neue „Retz-Passage“ ist ja eine „alte“ Idee aus den 80er-Jahren, die jetzt Realität wird …

BM: … stimmt, das ist richtig. Mein Mitabiturient Bernhard Lingenthal hat einen sehr ähnlichen Ansatz (Plan oben) im Rahmen seiner Diplomarbeit 1985 dem damaligen technischen Beigeordneten Bense vorgestellt. Das ist doch eine tolle Geschichte, dass nach vier Jahrzehnten seine Überlegungen Realität werden. Ich bin enorm dankbar, dass dies jetzt durch die Kooperation von Eigentümern, Investoren und Stadtplanern endlich möglich wurde und damit ein strategischer Baustein aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept auf einmal umsetzbar wird.

HWZ: Der heiß ersehnte Vollsortimenter ist da aber noch nicht vorgesehen, oder?

BM: Nein, nicht an dieser Stelle, dafür ist das Raumangebot nicht geeignet. Dafür gibt es aber Planungen im Rahmen der Sanierung der Post und an der Ecke Kirchstraße/ Saynscher Hof, die wir aber in der Zusammenarbeit mit den Eigentümern noch konkretisieren müssen. Für den umfassenden Erfolg müssen wir alle zusammen noch eine Menge arbeiten und bereit sein zu kooperieren. Das fällt uns nicht in den Schoß. Strukturelle Probleme lassen sich nur mit strukturellen Lösungsansätzen entwickeln.

HWZ: Was wollen Sie damit sagen?

BM: Es gibt Leute, die mir sagen, dass mit einer Nachbelegung des ehemaligen „Kaiser´s“ die Probleme der Innenstadt gelöst wären. Andere sagen, dass ein Parkhaus die Lösung sei. Die dahinter liegenden Anliegen sind sicher sinnvoll, aber nicht die Lösung der komplexen Herausforderungen. Diese fangen beim „Online-Handel“ an, gehen beim Flächen- und Mix der Einzelhandelsangebote, der Aufenthaltsqualität und den Besucherzahlen z.B. durch Touristen weiter. Da könnte ich noch viele zusätzliche Faktoren benennen. Gemeinsam ist all den Fragen, dass sie nur zusammen in Kooperation gelöst werden können.