Unser Hausberg! Unser Wanderlokal!

Rückblick: Die Weichen für die Zukunft des Löwenburger Hofes sind gestellt: In einer nichtöffentlichen Sitzung des Vergabe- und Liegenschaftssausschusses erhielt der Bad Honnefer Gastronom Hans Hatterscheid den Zuschlag für den Kauf des Ausflugslokales im Siebengebirge. die Übergabe des Löwenburger Hofes ist für den 1. Januar 2003 vorgesehen.

Im Vorfeld der Entscheidung gab es eine teilweise heftige Auseinandersetzung über die Verkaufsabsichten der Stadt. Das Gebäude hatte die Stadt in den 80er Jahren erworben. Mehrfach war die Entscheidung in den städtischen Gremien vertagt worden.

In der entscheidenden Sitzung votierte der Stadtrat mit 21 Ja- und zwölf Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen für den Verkauf und entschied zugleich, dass sich der Vergabe- und Liegenschaftsausschuss mit den Details beschäftigen soll. In dem Gremium würden die Kaufinteressenten dann ihre Konzepte vorstellen.

Und so geschah es. Letztlich den Ausschlag gegeben haben wird wohl die gastronomische Erfahrung, die der künftige Eigentümer mitbringt: Seit 13 Jahren betreibt der Gastronom das Ausflugslokal Milchhäuschen, das wie auch der Löwenburger Hof inmitten des Siebengebirges gelegen ist. Zu seinem Konzept sagte Hatterscheid, dass der Löwenburger Hof „hundertprozentig Ausflugs- und Wanderlokal“ bleiben wird.

Nach der Übergabe stehe als vordringlich die Renovierung und Erneuerung der Küche an. Danach wolle er sich sukzessive des ganzen Hauses annehmen. Eine sofortige Komplettrenovierung „ließe sich nicht rechnen“, sagte er damals. Zudem soll das Haus „nicht einen Tag“ die Pforten für die Renovierung schließen, notwendige Arbeiten sollen vielmehr „in kleinen Schritten“ absolviert werden.

Soweit die eher neuere Geschichte des Ausflugslokals. Das Haus war bis 1904 das „Forsthaus im Siebengebirge“, zuständig für das Honnefer Waldgebiet, allerdings „mit Einkehrmöglichkeit“. 1910 wurde es seiner jetzigen Bestimmung zugeführt. Aber zurück zu den Anfängen: Dort wo heute der Gasthof steht, befand sich seinerzeit der Bau-und Viehhof der Löwenburg. Quasi die Versorgungsstation für die Rittersleute. Die Kriegszüge am Ende des 16. Jahrhunderts, unter denen das Amt Löwenburg besonders litt, ließen sie zur Ruine werden.Von da an ist die langgestreckte Höhenburganlage des 13. Jahrhunderts mit Hochburg, Zwinger und Vorburg immer stärker verfallen. Erhalten sind die Zisterne im Burghof und zwei Seitenmauern des ehemaligen Bergfrieds der Hochburg mit den Grundmaßen zehn mal zehn Meter. Der Bergfried selbst wurde teilweise 1832 – und 1881 ganz – wegen Baufälligkeit abgetragen, nachdem zuvor eine Initiative zur Erhaltung und Sanierung der Ruine gescheitert war. 1834 erfolgten erste Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Turmruine. Gegen 1718 bis 1750, als die Burg nicht mehr bewohnt war, wurde der Hof zu einem Gefängnis umfunktioniert.

Die Löwenburg selbst wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Heinrich II., Graf von Sayn, der aus dem Westerwald vorgedrungen war, als Grenzfeste gegen die kurkölnischen Burgen Drachenfels und Wolkenburg errichtet. Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals am 29. August 1247 als castrum Lewinberg bei der Aufteilung des saynischen Erbes durch Gräfin Mechthild von Sayn, die sich dabei das Wohnrecht auf der Burg vorbehielt. Die Hauptburg, Vorburg und der nördliche Außenbering entstanden im 13. Jahrhundert. Durch die Erbfolge gelangte die Burg 1269 an die Neffen Mechthilds, eine Linie der Grafen von Sponheim-Heinsberg, die sich ab sofort als Herren von Löwenburg bezeichnete. Der Hauptort ihrer Herrschaft wurde Honnef.

So wechselhaft die Geschichte der Burg war, so wechselhaft war die Geschichte des Gasthauses mit 120 Innen-und 150 Außenplätzen. Inklusive 20 Hotelbetten, die von Gesellschaften auch heute noch gerne genutzt werden. Erstaunlich: In der über 100jährigen Geschichte des Hauses gab es bisher nur sechs Pächter. Von 1937 bis 1962 war es die Familie Riethmüller, danach waren nacheinander zwei Pächer eingezogen, „unter deren Regie die Attraktivität des Restaurants stark zurück ging“. 1974 übernahm Karin Thomas den Gasthof. „In mühsamer Arbeit, und gegen viele Wiederstände brachte ich den herunter gewirtschafteten Betrieb mit meinem Mann Paul wieder auf Vordermann“. Die „gut geführte Küche“ mit bürgerlichen Speisen und Wildspezialitäten lockte nicht nur Wanderer in den Hof. 1985 gab es ein wenig Aufregung.

Das Land NRW wollte den Löwenburger Hof an einen Bonner Gastronomen verkaufen. Karin Thomas bangte um das liebevoll eingerichtetes Anwesen. Glückes Geschick: Der Verkauf kam nicht zustande, da der Gastronom seiner Zahlungspflicht nicht nachkam. 1986 wurde das Haus dann an die Stadt Bad Honnef verkauft. Karin Thomas konnte weiter machen. Zu den Stammgästen gehörten zu dieser Zeit viel Bonner Minister samt Anhang, und Fernsehstars wie Alfred Biolek. In der Ära Riethmüller gehörten Konrad Adenauer und Willi Ostermann zu den prominenten Gästen.

Namensgleichheit: Der erste Pächter hieß auch Thomas. Wilhelm Thomas. Er führte den Löwenburger Hof von 1910 bis Mitte der dreißiger Jahre. Zeitsprung: Im Jahre 2001 kam wieder Unruhe in die Angelegenheit: Die Stadt Bad Honnef wollte den Löwenburger Hof verkaufen. Zahlreiche Bürger und Stadtpolitiker fanden die Idee, die Stadt solle sich zwecks Einnahmeverbesserung von dem Traditionslokal lösen, nicht wirklich gut. Dennoch. Im Aushang des Immobilien-Center der Sparkasse war es deutlich zu lesen: Das Objekt wurde für 650.000 DM angeboten. Wohnfläche 644 Quadratmeter, Grundstücksfläche 8728 Quadratmeter.

Stephan Schütte vom VVS schrieb damals deutliche Worte in der HVZ: „Kurzsichtige Haushaltszwänge vernebeln offenbar den Blick für gemeinwohlorientierte Zukunftsprojekte“. Es nutzte nichts. Glück für Hansi Hatterscheid. Mit dem Versprechen, das Haus auch weiterhin als Ausflugslokal sicher zu stellen, und mit dem nötigen Kleingeld, übernahm er Anfang 2003 den Löwenburger Hof. 2007 verpachtete er ihn weiter an Maria Schmitt und Reinhold Kaebe. Und der Löwenburger Hof ist immer noch das Bad Honnefer Ausflugslokal im Siebengebirge am Fuße des Bad Honnefer Hausbergs. Allerdings ist die Zufahrt nur über Königswinter möglich. Und: Der Löwenburger Hof hat die Postleitzahl und die Telefonvorwahl ebenfalls aus Königswinter. bö

Fotos/Dokumente: Hans Hatterscheid