Nächste Ebene

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Es gibt Träume, die sich in einer zweiten, tieferen Ebene abspielen. Das bedeutet, dass man sich von der ersten Traumdimension in eine weitere Stufe begibt. Das Labyrinth wird also erweitert. Wenn man das erste Mal aufwacht, befindet man sich immer noch im Traum. Und erst das zweite Aufwachen bringt einen zurück in die reale Welt.

Das ist mir bisher dreimal passiert: Die Traumgeschichte des ersten Mals habe ich leider vergessen. Ich weiß nur noch: Als ich dachte, ich würde nur träumen und wollte aufwachen, befand ich mich immer noch in einem Traum und musste erstmal aus diesem herausfinden, um wirklich wach werden zu können.

Der zweite Traum dieser Art verlief so: Meine Familie und ich befinden sich an einem Flughafen, und wir warten gelangweilt auf das Boarding. Von unserem Gate aus beobachten wir, wie ein Flugzeug startet. Aber plötzlich macht es eine Kehrtwendung, saust mit voller Geschwindigkeit zurück  in den Hangar. Was passiert da? – „Das ist ein Albtraum, das ist ein Albtraum!“ – rufe ich meinem Sohn zu. – Nein, dafür dauert es zu lange. Der Kick, der einen aus einem Albtraum herausholt, kommt diesmal nicht.  

Der Traum geht weiter: Massenhysterie bricht aus. Wir versuchen aus dem Gebäude zu entkommen, geraten dabei in niedrige Gänge und Sackgassen. Klaustrophobie und Ausweglosigkeit sind schließlich der Kick, der mich doch noch befreit aus meinem Traum. Ein vermeintlicher Traum in einem wirklichen Traum. Und beim dritten Mal erlebte ich wieder einen Albtraum: Mitten in diesem Traum höre ich eine Stimme, die meinen Namen ruft. Daraufhin wache ich auf. Meine Tochter kauert neben meinem Bett.

Einerseits will sie mich beruhigen; andererseits benötigt sie selbst Beruhigung. Erst dann erwache ich wirklich. Niemand sitzt neben meinem Bett. Niemand hatte meinen Namen gerufen. Wieder ein Traum im Traum. Franziska Lachnit (2017)