Alles, was man schafft: Man gafft. – Endlich ist es wieder soweit: Meine jährliche Kreativ-Woche im Naturhaus auf dem Land steht bevor: Eine Kiste, gefüllt mit Büchern, Schreibmaterial, Wanderschuhen und ein paar CD’s begleitet mich. Für die Nächte habe ich mich mit Nelkenöl bewaffnet, um nicht von Mücken zerfleischt zu werden. Bei verheißungsvollem Sonnenschein erreiche ich mein Ziel und richte mich häuslich ein.

Dann lasse ich den Sektkorken knallen, heiße mich selbst herzlich Willkommen und proste auf die kommenden Tage. Genüsslich lehne ich mich in den Halbschatten und schaue, was sich um mich herum abspielt: Eigentlich nichts. Und das tut erstaunlich gut. Ein paar Vögel stiefeln durchs Gras vor dem Haus – immer mit vorsichtigem, aber auch neugierigem Blick auf mich gerichtet. Andere Vögel flattern aufgeregt in den Baumkronen oder in geheime Schlupfwinkel unter dem Dach.

Viele Fliegen schwirren heran und begutachten mich mit nerviger Aufdringlichkeit. Ich versuche, ihre Annäherung gleichmütig zu dulden – es fällt mir schwer. Fliegen wollen ja auch immer alles: Deinen Schweiß, deinen Wein, dein Käsebrot … und ganz nebenbei auch ein bisschen vom Kuhfladen auf der Weide. Verschwindet! Lasst mich alleine in meiner ländlichen Lethargie! Ich will schauen – mehr nicht.

Plötzlich sprintet ein Schaf, gefolgt von der Hütehündin, durch mein Blickfeld. Das Schaf ist unerwartet sportlich. Dennoch wird die Hündin das Schaf wieder an seinen angestammten Platz treiben. Armes Schaf! – gescheiterter Ausreißer. Langsam schleicht eine Ahnung von Dämmerung heran, die die Lider schwer macht und zur Bettruhe ruft. In dieser Nacht schrecke ich orientierungslos aus dem Schlaf. Dann verrät mir der Himmel mit einem Hauch von Helligkeit, wo ich bin und dass es auf Mitsommer zugeht. Entspannt lasse ich mich wieder ins Kissen fallen – zurück zu den Bildern meiner Träume. Franziska Lachnit (2018)