Sylvie, Max und ich kehrten nach Hause zurück. Unser Wochenendtrip war ziemlich schräg. Was hatten wir erwartet? Dass sich eine intime Beziehung entwickelt? Zwischen wem genau? Ich wusste es nicht. Ich war verwirrt und auf eine unerklärliche Art enttäuscht. Meine Freundin ließ sich nichts anmerken und spielte weiterhin die zauberhafte Rolle des blondgelockten Engels. Ich vermutete inzwischen aber einen teuflischen Plan hinter ihrem „ach so hübschen!“ Antlitz.

Hatte ich Recht oder war ich auf dem Weg ein miesepetriger und argwöhnischer Mensch zu werden? Ich zog mich für eine Weile zurück. Zumindest von Sylvie. Mit Max nahm ich stattdessen mehr und mehr Kontakt auf. Und tatsächlich konnte man ganz gut mit ihm reden. Abende bei Bier in der Stammkneipe oder bei Wein in seiner Bude vergingen vergnüglich und wie im Fluge.

Die Gesprächsthemen wanderten von der Arbeit an der Universität über allgemeine Themen bis hin zu privaten Angelegenheiten. Sylvie hatte sich derweil wieder ein paar Mal mit ihrem Ex-Freund, dem smarten und wohlhabenden Marco getroffen und haderte mit sich und ihren Träumen von der Zukunft. Sie und ich sahen sich zu der Zeit nur zufällig – in der Bibliothek, dem Hörsaal oder der Mensa.

Das war seltsam. Ich glaube, wir alle fühlten uns damals seltsam. Keiner von uns wusste, was er eigentlich wollte. Oder was er auf keinen Fall wollte! Während Sylvie also wieder eine kurzzeitige und letztendlich unerfüllte Affäre mit Marco einging, lagen Max und ich Arm in Arm auf seinem Sofa. Im Sommer knutschten wir hingebungsvoll auf den Bänken an der Uferpromenade. Stets beteuerten wir dabei, dass es „nur so“ wäre! Dass wir auf keinen Fall „zusammen sein“ wollen! Ohne Anfang, kann es schließlich auch kein Ende geben! Das spürten wir. Und genauso war es gut. Franziska Lachnit (2020)