Meine sehr verehrten Damen und Herren, einige Bürgerinnen und Bürger aus meinem näheren Umfeld meinen, diese Kolumne sei nicht mehr bös, sondern nur noch artig. Früher hätte ich immer heiter auf Politik,Verwaltung und Knöllcheneintreiber eingedroschen. Früher, also vor Otto Neuhoff. Stimmt. Früher war die Streitkultur eine ganz andere. Egal an welchen Stammtisch ich auch kam, es wurde gemeckert.

Über Schlaglöcher, über Knöllchen, über Lärm und Dreck in der Innenstadt, was auch immer. Heute gibt es kaum noch Stammtische. Ein Grund von vielen. Wie der Zufall es so will, habe ich eben im Archiv eine Kolumne gefunden, die knapp 10 Jahre alt ist. Schaun wir doch mal rein:Meine sehr verehrten Damen und Herren, fassen wir einmal kurz zusammen, damit hier nichts durcheinander kommt: Im Herbst 2008 eröffnet im ehemaligen Hallenbad ein Freizeitzentrum mit Bowlingbahn und Restaurant.

Im Park der Villa Merkens wird nicht gebaut, wie ich höre wohnen dort zur Zeit recht zufriedene Rattenfamilien. Der geplante Nationalpark wird erst einmal abgelehnt. Auf dem ehemaligen Penaten- Areal, zwischenzeitlich auch Business Park genannt, sollen jetzt die Geschosse aufgebaut werden, die unserer lieblichen Innenstadt komplett das Licht ausblasen werden: Ein Vollsortimenter, eine Tiefgarage mit Getränkemarkt, ein Pflegeheim mit Apotheke, Reformhaus, Biofachmarkt.

Und ein Ärztehaus. Hallo? An dieser Stelle grüße ich mal eben alle Ratsmitglieder m.V.- das sind nicht wirklich all zu viele, aber dennoch- die am kommenden Mittwoch im Planungsausschuss über dieses Ansinnen des Investors beraten werden. Nur soviel, liebe Räte und Rätinnen, verehrte sachkundige Bürger: Die Mitglieder der Einzelhandelsgemeinschaft der Innenstadt, quasi allesamt auch Wähler, sind entsetzt. Gestern Abend wurde eiligst eine Versammlung mit den Geschäftsleuten einberufen. Klar ist, sollte sich die Honnefer Politik für diesen Plan entscheiden, dass -formulieren wir es gutachtermäßig-  damit der Innenstadt die Vitalität entzogen wird.

Und zwar für immer. Einzelhandelssprecher Georg Zumsande sagt: Das ist der Gau. Wenn Politiker so entscheiden würden, wüssten sie nicht was sie tun. Un jezz simmer all jespannt. Was wollte ich sagen? Ach so, ja, seitdem das Zugpferd Edeka raus ist aus der Fußgängerzone, haben einige Geschäfte dort 30 Prozent weniger Frequenz. Drum: „Es darf nicht nach Rhöndorf kommen, was in der Innenstadt fehlt,“ meinen die Honnefer Einzelhändler. Denn dann könne die Hauptstraße wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet werden.

Ohne Geschäfte! Oder noch drastischer: Wer für einen Vollsortimenter im Penaten-Areal stimme, töte damit bewusst die Innenstadt!  Mal schauen, ob das unsere gewählten Bürgervertreter wollen. Ein vom Investor beauftragtes Gutachten besagt, dass die geplanten Ansiedlungen auf dem ehemaligen Penaten-Areal innenstadtverträglich sind. Der Brüller!

Wenn dort auch nur ein Brötchen, eine Zeitung oder eine Packung Zigaretten verkauft werden würde, schade das nicht nur der Innenstadt, sondern auch den Geschäftsleuten in Rhöndorf. Wollen das die Rhöndorfer? Marschiert die Honnefer Politik wieder gnadenlos an den Interessen und Wünschen der Geschäftsleute und Bürger vorbei? Mittwoch ist der Tag des Herrn: Die Sitzung ist öffentlich und sie beginnt um 17.30 Uhr im Rathaus“. Interessant, was vor 10 Jahren hier los war, oder? Und jetzt freue ich mich auf die Ratssitzung am Donnerstag. Ein schönes Wochenende zusammen…