Wenn Opa erzählte, wurde es spannend und lustig. Spannend, weil er von skurrilen Erlebnissen berichtete. Lustig, weil er seine Geschichten stets mit Humor und Selbstironie würzte. Er konnte auch gelegentlich mit menschenfreundlichem Witz über andere Leute herziehen. Da war zum Beispiel der junge Geselle im Eisenwarenladen Köller, der etwas einfältig und zudem mit Akne gestraft war.

Opa nannte ihn – unter uns – den „Bewimmerlten“. Nach jedem Einkauf bei Eisen-Köller hatte Opa witzige Anekdoten vom „Bewimmerlten“ zu erzählen. Opas besten Geschichten waren aber die von seinen eigenen Missgeschicken. Und so berichtete er gerne und humorvoll von der Krux mit dem Regenschirm: Opa war in der Stadt unterwegs, als es zu regnen begann. Er wollte seinen Schirm aufspannen, aber der klemmte – und zwar so, dass er weder ganz geöffnet, noch wieder geschlossen werden konnte.

Opa suchte Zuflucht im Eingangsbereich des Juweliergeschäftes. Dort wollte er – geschützt vor dem Regen – den Schirm in die passende Verfassung bringen. Er bastelte an dem verklemmten Ding, als sich unbemerkt das Sicherheitsgitter des Juweliers zu schließen begann. Langsam ratterte es von oben nach unten.

Erst als das Gitter bereits auf Brusthöhe war, erkannte Opa die wahre Not seiner Situation. Immer noch klemmte der Schirm in halbgeöffneter Stellung. Aber Opa musste jetzt schleunigst zusehen, wie er sich aus der Falle befreite. Mit dem sperrigen Schirm in der Hand kroch er im letzten Augenblick unbeholfen durch die verbliebene Öffnung.Das war knapp! – Schmunzelnd habe ich heute noch das Bild vor Augen, wie mein Opa verzweifelt an seinem Schirm rupft und nur mit großer Anstrengung zurück in die Freiheit gelangt. Franziska Lachnit (2018)