Rhein-Sieg-Kreis wird Träger des Naturparks

Es dauerte fast acht Jahre, wieder ein tragfähiges Modell für den Naturpark Siebengebirge zu finden. Seit der gescheiterten Gründung eines Nationalparks gab es keinen erfolgsversprechenden Ansatz, Wald und Gebirge zu sichern, zu pflegen und zu verwalten. Was Jahrzehnte selbstverständlich schien, erwies sich nun als schwere Aufgabe. Ein Naturpark will betrieben werden. Planvoll und mit ausreichenden Mitteln. Wege, Bänke, Hütten, Parkplätze, Rasthäuser – die gesamte Infrastruktur erfordert Aufwand. Der Erhalt der Natur sowieso.

Die lange herrschende Ratlosigkeit weicht vorsichtiger Perspektive. Der Rhein-Sieg-Kreis steht zur Übernahme der Trägerschaft bereit. Er hat verstanden, was das Siebengebirge für die Region bedeutet. Hat Einigkeit errungen mit den Städten Bad Honnef, Königswinter, St. Augustin und Bonn, die sich an den Kosten beteiligen. Dabei war es hilfreich, dass der neue Landrat im Siebengebirge wohnt und dass neue Leute im Kreistag Dynamik ins Thema brachten. Der neue Vorsitzende des Umweltausschusses, sein Stellvertreter und der Umweltdezernent kommen aus Königswinter und Bad Honnef.

Es wird der dritte Naturpark, den der Kreis unter die Fittiche nimmt. Er ist bereits Mitbetreiber der Naturparks „Rheinland“ am linken Ufer und „Bergisches Land“. Entsprechende Erfahrung und Ressourcen bringt er nicht nur mit, sondern will sie auch einsetzen. So wird die Geschäftsstelle des Naturparks Siebengebirge zunächst bei der des NP Rheinland unterschlüpfen und auch dessen Geschäftsführer unterstellt. Mit eigenem Raum, aber im Siegburger Kreishaus. Später soll sie dann „unbedingt“ zurück ins Siebengebirge selbst…. Als kritischer Gedanke sei hier erlaubt: Wie wäre es mit einer planvollen Struktur, die Belange der drei Naturparks in Kreisbeteiligung zu bündeln, von einer zentralen Stelle aus gemeinsam zu verwalten – und darunter für das Siebengebirge gern ein NP-Büro vor Ort einzurichten? Solche Aufstellung wäre in der Tat „effizient, kostengünstig und nachhaltig“ wie in der Präambel der Kooperationsvereinbarung gefordert.

Jenseits aller Visionen für morgen und übermorgen bietet sich jedoch heute keine alternative Lösung. Der VVS (Verschönerungsverein Siebengebirge) als bisheriger Träger des Naturparks hat sich in dieser Funktion ausgepowert und verbraucht; er schafft das nicht mehr. Weder finanziell noch mit seiner ehrenamtlichen Personaldecke. Über die verdienstvollen Aktivitäten für den Park selbst von Exkursionen bis zum Brückenbau verlor der Verein an Kraft, Aktivenbasis und an Jugend. Seine Mitgliederversammlungen füllen keine großen Säle mehr, bieten einen unübertroffen hohen Altersdurchschnitt. Auch die HWZ als steter Fan des VVS weiß: So geht es nicht weiter.

Wir Siebengebirgler selbst haben uns verführen lassen, lehnten 2009 per Bürgerentscheid die Ernennung zum Nationalpark und damit die finanziell sichere Perspektive ab. Jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln. Wir schlugen ordentliche Portalgebäude und 7 Millionen Euro Investition in Personal und Betrieb aus – und stehen jetzt da ohne die Mittel für ganze 2 (!) Försterstellen als Minimalausstattung. Wir folgten ernsthaft demagogisch geschürter Angst vor Rangern (!) und ernteten Spott sowie den Verlust fast aller helfenden Hände. Dafür noch einmal Dank an Prof. Mertens als den Motor „unserer“ Ablehnung, der heute vor Ort nicht mehr gesehen wird. Das war der klassische Bärendienst.

Denn natürlich ist es bedauerlich, es jetzt selbst nicht mehr zu schaffen. Sich demnächst von anderswo verwalten zu lassen. Das wissen wir. Dennoch wurden alle Debatten seriös und fair geführt, sämtliche Vorbehalte wurden behandelt und entschärft. So gut es geht. Die vier Städte verweigerten sich nicht und geben Gelder. Der Kreis votierte in Wirtschaftsausschuss und Kreistag für das Modell; er zahlt satt über 40 Prozent aller Beiträge, übernimmt den Anteil des VVS mit. Der VVS bleibt beteiligt, spielt laut Kooperationsvertrag eine „zentrale Rolle“. Eine Lösung so bittersüß, wie das halbleere Glas halbvoll sein kann. In besonderem Maße dem Engagement der Erfinder dieses Modells geschuldet. 2021 setzen sich Alle zusammen und besprechen, wie gut sich die Zusammenarbeit bewährte. Ob sie trägt und sich entwickeln lässt.

Bei Entscheidungen hat der Kreis sieben Stimmen, Bonn vier, Königswinter drei, Bad Honnef zwei, Sankt Augustin und der VVS je eine. Vieles geht nur im Einvernehmen aller 18 Stimmen. Der VVS bringt statt Geld seine Leistungen und Arbeit ein – die in der Tat wichtig sind für den Park. Seine Position basiert vor allem darauf, dass er Eigentümer des Kernareals ist und bleibt. Letztendlich jedoch haben wir es mit effektiver interkommunaler Kooperation zu tun. Ein Leuchtturm. So beispielhaft wie 2013/14 beim Schutzzaun im Weinberg. Das schafft Zuversicht. Wir werden weiter über Umwelt als Lebensqualität verfügen, uns weiter dort erholen dürfen. Wir leben vor diesem beeindruckenden ökologischen Hinterhof. Wie selbstverständlich. Andere beneiden uns, fahren weit und machen hier Urlaub. Weil es sich lohnt.

Im Übrigen wird der Tourismus als wirtschaftliche Verwertung der Umwelt genauso wie das Wohlbefinden der Hiesigen von der Zusammenarbeit der beiden Siebengebirgsstädte selbst abhängen. Von deren Fähigkeit, die beiden großen Marken Drachenfels und Siebengebirge gleichermaßen zu schützen und zu nutzen. Sinnvoll wäre Vermarktung über eine gemeinsame Agentur mit einigem Konzept. Gut ist bereits, dass Bad Honnef an einer Dachmarke arbeitet und dabei Geschäftsleute, Wirtschaft und Bürger miteinbezieht. Denn die Wirklichkeit findet jenseits von Büroräumen statt. bh