Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben es immer wieder getan, vor 15 Jahren, vor 10 Jahren, vor 5 Jahren. Und wir tun es heute: Wir lassen die Vergangenheit der Stadt aufleben. Jahr für Jahr kommen neue Leser hinzu. Allein für die lohnt es sich, immer mal wieder im Archiv nachzukramen.

Aus aktuellem Anlass befassen wir uns in dieser Ausgabe mit dem Rathausneubau vor 35 Jahren. Vor fünf Jahren haben wir das nach aufwändigen Recherchen, gemeinsam mit der Stadtverwaltung, thematisiert. Viel Spass dabei. Und dazu hier unser „Bösartig“ aus dem Mai 2013:

„Maybritt Illner ist mein neuer Superstar beim ZETTDEEFFF. Oder sagt man Starin? Egal. Sie hat die Geburtstagsshow des ewigen zweiten Senders dieser Republik moderiert. Ich habe geheult wie ein Schlosshund.

50 Jahre ZDF und ich kannte sie alle, die Sendungen von damals, damals, als Fernsehen noch Fernsehen war. Sportstudio- Dieter Kürten, mein Held, keine Sendung verpasst. Frankenfeld, Dalli Dalli, Juhnke, der große Peter, Elstner, Onkel Lou. Fernsehen ohne Facebook, iPhone, eben ohne Internet. Das ging. Mit Kölsch und Erdnüssen. Im Kreise der Familie, oder im Partykeller mit Freunden. Zwischendurch eine Runde Canasta.

Heute unvorstellbar. Manchmal überholt mich der Zug der Zeit, ob ich das nun will oder nicht. Also: Damals als meine Eltern noch ganz jung waren, wohnten sie mit mir im Haus meines Opas. In einem riesigen Fachwerkhaus. Wir unten, Oma und Opa darüber, und ganz oben war da noch ein recht geheimnisvoller Dachboden. Da durfte ich nicht rauf. Also war ich jeden Tag da oben.

Links war das Fotolabor von meinem Vater, rechts entlang der Dachziegeln standen jede Menge Kartons mit altem Plunder aus vergangenen Zeiten. Mein Opa muss sehr beliebt gewesen sein, einige Kartons waren gefüllt mit Karnevalsorden. Dachte ich. Aber die hatten in der Mitte alle so ein komisches verrenktes Kreuz, quasi ein Kreuz mit abgewinkelten Armen. Egal.

Mein Opa, der Held, hatte einen Fernsehapparat. Und ich durfte kucken. Natürlich heimlich. Meine Eltern sind nur Samstagabends hoch gegangen wenn Kulenkampff kam. Die Leute sind gar nicht so dumm, wie wir sie durchs Fernsehen noch machen werden“, hat der einmal gesagt. Das war mir aber egal. Ein paar Jahre später habe ich „Fernsehen“ hautnah mit bekommen, als Redakteur bei PRISMA. Ich bin also quasi Fachopa, wenn ich nun verheiße: Frau Illner ist der kommende Superstar beim ZDF. Oder sagt man Superstarin?

Da kommt eine Dauertalkerin daher und moderiert eine gigantische Jubiläumsshow. Locker, leicht, gewitzt, mal im Hosenanzug, mal im Glitzerkleid. Da verblasste sogar der ehemalige Held des ZDF, der Herr Gottschalk im rot karierten Gehrock. Herrschaften, Vergangenheit macht Spass. Ob beim ZDF oder beim Honnefer Rathausbau. Wir wühlen weiter darin rum.

Demnächst in diesem Theater: Gelsdorf, der Bauherr. Brassel, der Fabrikant. Westhoven, der Bauunternehmer. Adams, der Bürgermeister. Und so weiter, und so weiter. Bad Honnef hatte viel zu bieten, damals. Heute gibt es eigentlich nur noch ein Thema: Die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr. Aber darum kümmert sich ja niemand. Nicht einmal die Politiker, die es denn werden wollen. In der kommenden Ausgabe können wir Ihnen aber schon mal den Kandidaten der SPD vorstellen. Ein guter Mann. Soviel vorab. Tschüss zusammen, schönes Wochenende allerseits“.

Tja, das war kurz vor dem Otto-Zeitalter.