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In meiner Kindheit war der Samstagabend das Highlight der Woche: Im Haus meiner Großeltern tummelte sich unsere Familie im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Pünktlich zur Zusammenfassung der Bundesliga tauchte mein Vater aus dem Werkkeller auf. Sein Pulli roch nach Holzspänen und Leim.

Er machte es sich auf dem Polsterhocker gemütlich, der auf der einen Seite des Kachelofens stand. Ums Eck sicherte ich mir stets auf dem Sofa einen warmen Platz am Ofen und in der Nähe meines Vaters. Eine Flasche Pils hatte er sich aus dem Keller mitgebracht. Dass ich neben meinem Vater saß, hatte für mich den Vorteil, relativ unbeachtet ab und zu am Bier nippen zu können.

Meine Füße stemmte ich gegen die wärmenden Kacheln, freute mich auf das „Tor des Tages“ und darüber, dass wir beieinander saßen: Papa, Mama, mein jüngerer Bruder, Oma und Opa. Irgendwann tischte meine Oma dann Holzbrettchen, Besteck, Brot und Wurst auf. Sie mischte für sich halb und halb Malzbier mit Pils.

Und ein Gläschen Korn durfte nicht fehlen. Im Verlauf des Abends wurde das Fernsehprogramm immer spannender: Nach dem Sport besuchten wir „Das Haus am Eaton Place“: Was passiert heute bei den Bellamys und ihren Dienstboten? – allen voran Butler M. Hudson, Zimmermädchen Rose und Köchin Mrs. Bridges.

Das war unsere absolute Familien-Lieblingsserie am Samstag! Und ein Abend, an dem Rudi Carrell „Das laufende Band“ in Bewegung setzte, war perfekt: Wenn der Siegerkandidat die Gegenstände aufzählte, die er auf dem Band gesehen hat, beteiligte sich meine Familie so eifrig, als könnten wir tatsächlich etwas gewinnen.

Gut gelaunt nach diesem geselligen Zusammensein, verabschiedeten wir uns von Oma und Opa. Freuten uns dann schon auf Sonntag, wenn wir wieder bei ihnen gemütlich am Kachelofen sitzen und mit dem „Raumschiff Enterprise“ in unendliche Galaxien aufbrechen würden. Franziska Lachnit (2017)