Schneelandung

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Der Winter war noch einmal mit ganzer Kraft zurückgekehrt. In der Nacht hatte es ununterbrochen geschneit. Am Morgen schien zwar die Sonne, aber alles lag nun unter einer glitzernden Schneedecke.

Es war früh im Jahr und natürlich hatte der Winter noch alles Recht darauf, sich breit zu machen. Dennoch hatte sich in unseren Köpfen schon die Hoffnung auf einen baldigen Frühling festgesetzt, so dass der erneute Schneefall eher mit Unmut, als mit Begeisterung zur Kenntnis genommen wurde.

Als wir aus dem Haus traten, blendete das Sonnenlicht, welches sich geradezu beißend im Schnee reflektierte. Ich musste die Augen zusammenkneifen und blinzelte dann vorsichtig. Mein Blick wurde auf etwas kleines Buntes gelenkt. Dieses

Etwas hob sich fremdartig von der Schneedecke auf der Motorhaube meines Autos ab. Wieder kniff ich die Augen zusammen und blinzelte: Da war ein Schmetterling im Schnee gelandet. Ein Kleiner Fuchs. Prachtvoll hatte er seine farbigen Flügel ausgebreitet und sonnte sich.

Einerseits irritiert, andererseits verzückt freuten wir uns über diesen Frühlingsboten. Er hatte sich offensichtlich kühn aus seinem Winterversteck gewagt und war nun in eine Schneelandschaft mit Temperaturen um den Gefrierpunkt geraten. Wohl nicht der geeignete Lebensraum für einen Schmetterling! Also nahmen wir ihn mit ins Haus: Zunächst gestalteten wir für ihn ein kleines Terrarium in einem mit Nylonstrumpf verschlossenen Glas.

Aber mir gefiel es nicht, einen Schmetterling auf so kleinem Raum gefangen zu halten. Ich ließ ihn daraufhin in meinem Zimmer umherflattern, kaufte Blumen für ihn, stellte ihm Wasser und Fruchtsaft bereit. So überlebte der Kleine Fuchs einige Wochen bei uns. – Heute erinnere ich mich zwar gerne an den Besuch des Schmetterlings im Winter, zweifle allerdings an unserer vermeintlich guten Tat. Franziska Lachnit (2017)