„Alles fließt“ soll der alte Grieche Heraklit behauptet haben. Und nun warte ich schon seit Tagen – nein! Wochen darauf, dass Worte aus meiner Feder fließen. Nichts passiert. Alle Gedanken und Ideen, die auftauchen, verschwinden wieder in einem Strudel der Phantasielosigkeit.

Ich fühle mich verloren – ohne Rettungsring im endlosen Ozean treibend. Ich fühle mich eingekerkert – zurückgelassen ohne Nahrung und ohne Ausblick. Und das, obwohl ich gerade erst eine lange und weite Reise hinter mir habe. Voller Erwartung auf viele Geschichten, die ich schreiben könnte. Aber dann habe ich nicht mal ein Reisetagebuch geführt. Kein Abenteuer niedergeschrieben.

Nichts. War die Reise so langweilig? Nein. Natürlich nicht. Es ist wohl eher so, dass mein Traumland mich derart eingefangen und ummantelt hat, dass ich wie gefesselt war. Überraschungen, mit denen ich so beschäftigt war, dass ich keine Zeit für Worte hatte. Unannehmlichkeiten, die mich so zermürbten, dass ich keine Lust auf Worte hatte. Unbeschreiblichkeiten für die es sowieso keine Worte gibt.

Da waren spektakuläre Täler, ozeangleiche Seen und mächtige Gletscherzungen. Wolkenverhangene Berggipfel und urgewaltige Wasserfälle. Weite Prärien, Waldbrände und niedlich tapsende Bären. Todesmutig springende Lachse. Und gelegentlich sehr viele japanische Touristen, die sich – manchmal ebenfalls todesmutig – in Foto-Shooting-Positur setzten und ebenso lästig wie die zahlreichen Mücken sein konnten.

Gläserne Wolkenkratzer mit grandioser Aussicht! Killerwale, die scheinbar gemächlich auf ihrem Beutezug entlang der Küste durch das eisige Wasser gleiten. Möwen, die mitten in Downtown auf dem Hausdach ihr Junges füttern. Totempfähle erzählen von indianischen Legenden und beeindrucken mit ihrer Form- und Farbgewalt.  Diese Erlebnisse haben mich überwältigt und vorläufig sprachlos gemacht. Franziska Lachnit (2017)