Semmelknödel

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1990

Kulinarische Erinnerungen – Was gab es denn schon? Damals. In unserer Kindheit. Semmelknödel & Rumpudding! Ein traumhaft leckeres Sonntagsessen. Aber hatten wir je Zucchini oder Auberginen gesehen? Sonnengereifte Flaschentomaten? Rote oder gelbe Paprika? Pinienkerne oder Pistazien? „Tiramisú, Panna cotta, Crème bûlée, Sorbet …“ – das waren nichtssagende Fremdwörter. Wieso hätte uns bei deren Klang das Wasser im Munde zusammenlaufen sollen? Wir aßen Schokoladenpudding, Wackelpeter und eingemachte Kirschen zum Dessert. Sonntags vielleicht mit Schlagsahne. Als Vorspeise gab es Suppe! Bei meinen Großeltern vorzugsweise eine Gemüsebrühe mit Nudeleinlage. Wärmt den Appetit, sättigt ihn aber nicht. So mag damals das Motto zur Menüfolge gelautet haben. Und was danach auf den Tisch kam, hat allerdings mächtig satt gemacht: Rouladen mit Kartoffeln und Rotkohl. Kasseler mit Kartoffelpüree und Sauerkraut. Gulasch in Sahnesoße mit Eiernudeln u.ä. Darauf folgte der Salat: Labberiger, blassgrüner Kopfsalat mit ausgelassenem Speck für Papa und labberiger, blassgrüner Kopfsalat in gezuckerter Variante für die Kinder. Wenn ich nicht mehr essen wollte, konterte meine Mutter mit den Worten „Salat macht nicht satt!“ – Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt, denn ich war schließlich schon satt. Speisen, die nicht aus der alten Heimat stammten, wie Spaghetti oder Reis wurden ganz simpel mit Ketchup serviert. Für uns Kinder durchaus ansprechend. Dazu passte dann die spätere Errungenschaft der Ofenfritten (Dank an die Herren McCain!). Äußerst interessante kulinarische Offenbarungen meiner Kindheit waren „Arme Ritter“ und „Kalter Hund“. Beides kannte ich nicht vom heimischen Esstisch. Es war mir ein Rätsel, warum ein Ritter als zimtgezuckertes Toastbrot daherkommt. Und was haben Butterkeks-Schoko-Schichten mit Hunden zu tun? Mit meiner Skepsis erschien mir beides ekelig. Geschmeckt hat es dann trotzdem. Kein Ritter, kein Hund!!! Franziska Lachnit (2020)