Julia zieht sich die Decke über den Kopf. Sie liegt noch immer im Bett, obwohl die Sonne bereits hoch am Himmel steht. Julia will das nicht wahr haben, sondern verkriecht sich immer tiefer in ihre imaginäre Höhle. „Was soll mir der Tag schon bringen? – Nichts. Und was könnte ich machen, das von Bedeutung wäre? – Nichts.“

Eigentlich würde sie gerne aufstehen und wie jeder andere den Tag beginnen, aber sie schafft es nicht. Ihr Körper ist zu Tatenlosigkeit erstarrt, und ihre Gedanken fallen immer wieder in das große schwarze Loch, das sich vor ihr auftut. „Ich könnte einfach das machen, was mir Spaß macht!“ – ein kleiner, leuchtender Funke, der sofort verglüht. Seine Asche fällt in das Loch. Arme und Beine sind schwer wie Blei.

Julia hat ein Gefühl, als ob eine erhöhte Erdanziehungskraft an ihr zerren würde. Oder dass eine Kraft auf sie einwirkt, die sie niederdrückt, Gewichte auf ihrer Brust deponiert und ihr den Atem raubt. In ihrem Kopf herrscht Finsternis. Allenfalls ziehen graue Schleier vorüber. Die Zeit tröpfelt vor sich hin, und für einen Moment erlöst der Schlaf Julia von ihrer Last. Als Julia wieder aufwacht, hat sich etwas verändert: Das schwarze Loch hat sich geschlossen.

Zurück bleibt eine düstere Fläche. Aber wenn Julia jetzt einen Fuß vor den anderen setzt, könnte sie es schaffen. Schaffen aufzustehen und gegen die mächtige Schwerkraft anzutreten. Manchmal klappt das. Vielleicht würde sogar ein zarter Lichtstrahl zu ihr durchdringen. Manchmal passiert das. Dieses ist dann der Augenblick, in dem die Sonne vorsichtig aus der Finsternis heraustritt. In diesem Augenblick beginnt dann doch noch der Tag! – Franziska Lachnit (2017)