Kultur, meine sehr geehrten Damen und Herren, Kultur ist entbehrlich; wie es aussieht, bereits zum 100. Male. Ein passendes Jubiläum für die Abschlusskolumne eines, vorsichtig ausgedrückt, interessanten Jahres 2017. Menschen meiner Generation (welcher nicht?) kennen das: kaum isses da, das Jahr, schon isses weg.

Die Zeit rennt einem mit zunehmendem Alter immer mehr davon. Kaum ist die letzte Rakete im Rauchnebel verglüht, werden schon wieder die neuen verkauft. Der Rhythmus der Jahreswechsel trommelt immer schneller auf einen herab. Während er im Kleinkindalter vorrangig als Langsamer Walzer einher kommt, wo die Spanne zwischen zwei Beats einen unendlich langen Zeitraum umfasst, wandelt er sich als Teenager zum Foxtrott; noch nicht allzu anstrengend, doch man freut sich schon aufs nächste Dinner for one.

Als junger Erwachsener erlebt man die Samba, in der man sich geschmeidig durch die Jahreszeiten bewegt, aber die einzelnen Steps immer mehr an Bedeutung verlieren, da dazwischen so viel stattfindet, was das Verstreichen eines Jahres zu einem puren Kalenderwechsel degradiert. Ganz unmerklich gehen wir in einen furiosen Jive über, welcher sich in einem: Wo ist nur das Jahr geblieben? manifestiert.

Und bevor wir uns versehen, befinden wir uns im Rock‘n‘Roll, bei dem Beine und Datumsblätter einem nur so um die Ohren fliegen. Das Leben ist ein kosmischer Tanz. Der alte Shiva hat es schon gewusst. Also darf ich Sie bitten für 2018? Oder ist Damenwahl? Bis nächstes Jahr also, tanzen Sie wohl.