Sie lernten sich so zufällig kennen, wie man gelegentlich Geld auf der Straße findet. Und sie passten zusammen wie Wanderschuhe und High Heels. Vielleicht war aber genau das die Kraft ihrer gegenseitigen Anziehung, die sie gelegentlich mit Liebe verwechselten. Leidenschaftlich gingen sie miteinander um: Wenn es gut lief, meisterten sie jede Herausforderung mit wunderbarem Humor und konnten kaum die Finger voneinander lassen. Wenn es schlecht lief, zog schwarz und grummelnd ein Gewitter auf.

Sie duellierten sich mit ungleichen Waffen. Sie schleuderte ihm dann Argumente und Spitzfindigkeiten an den Kopf, während er mit der Faust auf den Tisch donnerte und vor innerem Feuer zu explodieren drohte. Das ein oder andere Mal fürchtete sie sich sogar vor ihm. Allerdings hätte sie ihn das niemals spüren lassen. Das, was er fürchtete, war ihre Selbstständigkeit. Vor nichts hatte er mehr Angst, als davor, dass sie ihn verlassen könnte. Und immer wieder tat sie genau das. Aber immer wieder kehrte sie auch zurück.

Es war die Sehnsucht nach den gemeinsamen Träumen, die sie wieder in seine Arme trieb. Wie Kinder saßen beide dann auf einer Schaukel – die Beine hoch in den Himmel schwingend, den Blick in eine unerreichbare Zukunft gerichtet. Und in kindlichen Gedanken machten sie sich als Abenteurer auf den Weg, um in der Abgeschiedenheit einer unbekannten Wildnis zu überleben.

Oder sie segelten entdeckungslustig über die Meere dem Horizont entgegen. Irgendwann aber wuchs bei ihr die Sehnsucht über das Träumen hinaus. Sie kehrte diesmal nicht wieder zu ihm zurück. Wählte einen anderen Weg.

Heute nennt er sich immer noch Abenteurer. Einer, der zwischen zwei Dörfern pendelt.
Sie ist immer noch von Sehnsucht besessen und lässt sich von ihr in die Welt hinaus treiben. Franziska Lachnit (2017)