Trip zu Dritt

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Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen? Meine Kommilitonin und beste Freundin – Sylvie – wollte über das Wochenende zum Windsurfing ans Meer fahren. Wahrscheinlich hatte sie mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. „Ja!“ – Ich mochte. Dann hatten wir auch Max, den Doktoranden gefragt. Und „Ja!“ – Er kam ebenfalls gerne mit. Also tuckerten wir zu Dritt mit Sylvies alter Ente nach Westen, geradewegs aufs Meer zu. Der Himmel lag mit einem dünnen, grauen Schleier über uns. Sylvie stützte ihren linken Fuß auf das Armaturenbrett, hatte ihren Ellbogen aufs Knie gelegt und lenkte so lässig mit Links den Wagen. Ihre blonden Engelslocken wippten lustig im Luftzug des geklappten Fensters. Ich beobachtete sie genau. Max tat das wahrscheinlich auch. Aber wer weiß? Er saß auf der Rückbank und sprach kaum ein Wort. Am Meer wehte eine sanfte Brise, und der Himmel war immer noch grau schattiert. Keine Aussicht auf Sonnenschein. Als sich Sylvie mit Surfbrett und Segel auf den Weg machte, begleiteten wir sie. Obwohl mir ein Spaziergang lieber gewesen wäre, legte ich mich neben Max auf die Strandmatte. Wir beobachteten unsere hübsche Freundin, wie sie sich bei dem mäßigen Wind damit abkämpfte, das Segel aufrecht zu halten. Das gelang ihr immer nur für ein paar Sekunden, bevor das mächtige Teil auf die Wasseroberfläche klatschte, Sylvie mitriss und vom Brett zog. Es war langweilig und traurig, ihr bei dieser unglückseligen Unternehmung zuzusehen. Schließlich schaute ich weg und beobachtete einen anderen – ebenso hoffnungslosen – Versuch die kleinste Windböe zu nutzen: Farbig schwang sich ein Drache im steilen Flug hinauf, dann stürzte er wieder abwärts. Noch einmal hoch, dann wieder runter. Bis zum ruhigen Verweilen, worauf völlige Stille folgte. Auch Sylvie gab erschöpft auf, und wir kehrten zum Campingplatz zurück. Später lagen wir schweigend nebeneinander im Zelt. Was hatten wir uns nur dabei gedacht? Franziska Lachnit (2020)