Auf dem Heimweg. Die Füße sind bleischwer und lassen sich kaum heben. Jeder Schritt ist ein Kraftakt unglaublichen Ausmaßes. Ich spüre, dass ich so nicht weiterkomme und sinke auf die Knie, um nach Hause zu kriechen. Schließlich erreiche ich das Haus auf dem Boden liegend, mit den Armen ziehe ich mich mühsam voran.

Als ich das Treppenhaus betrete, empfängt mich eine grelle, weiße Leere. Wo sind die Gegenstände und Bilder, die hierher gehören? Woher kommt diese blendende Helligkeit? – Ein grüner Engel von der Größe eines Menschen ziert meine Wohnungstür. Er ist hässlich. Laut schluchzend lehne ich mich an die Tür und schreie, dass ich das Stoffherz und die Holzfiguren wieder haben will, die zuvor dort hingen.

Als ich meine Wohnung betrete, wird es noch schlimmer: Sämtliche Schlüssel wurden vom Schlüsselbrett entfernt. Kein Möbelstück steht mehr an seinem ursprünglichen Platz. Manche Möbel fehlen, andere sind hinzugekommen. Das anfängliche Entsetzen weicht nun einem gefräßigen Schmerz, der sich durch meinen Körper nagt. Ich fühle mich meiner Identität beraubt. Wer bin ich? Und vor allem: Wer hat hier Hand angelegt? Ich irre durch meine eigene Wohnung, als wäre ich in eine fremde Welt katapultiert worden. Unsicherheit, Angst und Verzweiflung sind an die Stelle von Geborgenheit, Ruhe und Zuversicht getreten.

Hier ist nicht mein Zuhause. Ich gehe. Ich fliehe. Kein Blei mehr in den Füßen! Ohne Anstrengung verlasse ich das Haus und schwebe beinahe die Straße hinunter. Hinein in einen sanften, wohltuenden Nebel. Er wickelt mich ein. Schützt und wärmt. Jetzt blendet kein grelles Leuchten. Kein grüner Engel versperrt mir den Weg. Und alle Gegenstände haben an Bedeutung und Kraft verloren. So muss sich Freiheit anfühlen! Franziska Lachnit (2017)