„Was sagt denn die Mama dazu?“ Ein nicht mehr ganz junger Mann spricht zu seiner noch sehr jungen Tochter. Die kurzen Pfingstferien gehen zu Ende. Man sitzt am Gate F des Wiener Flughafens und wartet auf das verspätete Boarding für den Flug nach Köln.

Als die Anzeige verlauten lässt „Gate open“, drängelt der Vater die Tochter dazu, das Handy abzugeben: „Jetzt ist aber gut!“ Die Tochter quengelt ihrerseits: „Och!“ – und zieht das typische „Ich-will-aber-noch-Schnütchen“ – erfolgreich! Der Vater lässt sie die Nachricht zu Ende schreiben.

Und einige Minuten später hält sie sogar immer noch das Handy in der Hand und schreibt oder spielt. Dann startet eine Diskussion über den nächsten Tag, an dem die Schule wieder beginnt. Töchterchen hat offensichtlich schon konkrete Pläne. „Aber da musst du erst die Mama fragen“ – fordert der Vater.

Das Mädchen hat bereits alles durchorganisiert und legt das dem Vater dar: Sie ist mit Melanie verabredet und hat dann leider weder Zeit, sich mit Papa zum Mittagessen noch fürs Kino zu treffen. „Jetzt warten wir erstmal ab, was die Mama dazu sagt!“ – bestimmt er. Töchterchen kontert mit weiteren Argumenten. So verläuft das Gespräch eine Weile – leider ohne, dass wir heimlichen Zuhörer jemals erfahren, was die Mama dazu sagt. Aber wir können sicher sein, dass das Töchterchen seinen Plan durchsetzt.

Abflug von Wien. Bei gutem Wetter hat man einen herrlichen Abschiedsblick über die Stadt und ihre Umgebung. Der Vater weist euphorisch auf die Sehenswürdigkeiten hin, die die beiden zuvor gemeinsam besucht hatten und die sie nun aus der Vogelperspektive betrachten: Donauinsel, Riesenrad im Prater, Schloss Schönbrunn …  „Und da sieht man, wie viel Platz sich der König damals genommen hat … „ sagt er. – „Der Kaiser!“ korrigiert ihn die Tochter. Was hätte wohl die Mama dazu gesagt? Franziska Lachnit (2017)